Unsere Welt in zehn Jahren

Augmented Reality lässt uns heute vorstellen, was morgen sein wird. Dies revolutioniert unsere Arbeitswelt. Anna Binkert, Innovationsmanagerin GIA Informatik AG, weiss, wie Unternehmen aller Branchen davon profitieren.

Portraet Anna Binkert

Anna Binkert, Innovationsmanagerin GIA Informatik AG

Anna Binkert, für welche Branchen ist das Potenzial von Augmented Reality hoch?

Ich denke, es ergeben sich in nahezu allen Branchen Optionen für Unternehmen, auf virtuelle Weise mit ihren Produkten zu interagieren. Einem grösseren Publikum bekannt ist das Smartphone-Spiel «Pokémon Go». Die Videospiele-Industrie feiert es als erfolgreichste Augmented-Reality-(AR-)App aller Zeiten. Der Gedanke von Gamifikation lässt sich auch im Tourismus ausgezeichnet einsetzen. Für viele Metropolen existieren schon City Guides als AR-Apps. Dadurch wird Werbung dort platziert, wo ein Informationsbedarf besteht. In der Fertigungsindustrie sind nicht nur die Existenz von Wartung und Service entscheidend. Auch die Effizienz von Prozessen lässt sich durch eine bessere Logistik und Navigation inner- und ausserhalb von Produktionsstätten steigern. Ein Beispiel sind vorgegebene Routen, die auf dem Display erscheinen, sobald man einen bestimmten Gegenstand scannt.

«Mit Augmented Reality sparen Unternehmen Kosten für die Reisezeit, vermeiden Verluste durch Produktionsstillstand und steigern die Effizienz, Qualität und Zufriedenheit durch eine schnelle Fehlerbehebung.»
Anna Binkert, Innovationsmanagerin GIA Informatik AG

Die Städteplanung bietet ebenfalls viele Möglichkeiten: Die Verantwortlichen der Düsseldorfer Rheinbahn bestellten jüngst für 120 Millionen Euro Züge, vergassen aber zu berücksichtigen, dass diese für einige Bahnhöfe zu breit waren. Durch eine Begehung der Lokalitäten mit einem virtuellen Zug hätte man eine solche Fehlplanung vermeiden können. Objekte lassen sich dadurch bequem in die Umgebung einpassen, für die sie bestimmt sind. Bei einem Einrichtungshändler können sich Kunden zum Beispiel ein neues Sofa via AR-App virtuell ins Wohnzimmer stellen und vergleichen, ob es von Design und Grösse her zur bisherigen Einrichtung passt.

«Mit Augmented Reality beflügeln Sie die Beziehung der Kunden zum Produkt und Service.»
Anna Binkert, Innovationsmanagerin GIA Informatik AG

Welchen Mehrwert erhalten Ihre Kunden?

Der Kundennutzen steht bei AR im Zentrum. Dank dieser Technologie sind Servicetechniker des Herstellers in der Lage, auf das Sichtfeld von Servicemitarbeitenden des Kunden vor Ort zuzugreifen, ohne eine vorausgehende kostspielige Einsatzplanung vorzunehmen und den Reiseweg zurückzulegen. Der Nutzen für Unternehmen ist gross: Sie sparen hohe Kosten, vermeiden Verluste durch Produktionsstillstand und steigern die Effizienz, Qualität und Zufriedenheit durch eine schnelle Fehlerbehebung. Mit AR beflügeln Sie die Beziehung der Kunden zum Produkt und Service.

«Unser Ziel ist es, Fortschritt nicht nur zu ermöglichen, sondern aktiv mitzugestalten.»
Anna Binkert, Innovationsmanagerin GIA Informatik AG

Weshalb setzt die GIA Informatik AG auf diese moderne Technologie?

GIA ist ein Unternehmen der Müller Martini Gruppe und dadurch historisch mit den Erfordernissen der Fertigungsindustrie vertraut. Durch die technischen Anforderungen der Produkteentwicklung bewegen wir uns schon lange im CAD-Umfeld und gehen mit Industrie 4.0, dem Industrial Internet of Things und AR diesen Weg – gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern. Unser Ziel ist es, Fortschritt nicht nur zu ermöglichen, sondern aktiv mitzugestalten.

ar-industrial-4.0

Die Möglichkeiten zur visuellen Darstellung mit Augmented Reality reichen von Wohnraumgestaltung, über maschinelle Abläufe bis hin zu kompletten Produktionsanlagen.

Welche Leistungen erbringt GIA in diesem Bereich?

Gerade ERP– und CAD-Systeme, für die GIA seit Jahrzehnten Expertin ist, sind ein guter Nährboden für AR. Es gilt, die Datenhaltung, Integration und Transformation von Daten im passenden Kontext zu nutzen und zu interpretieren, um mit CAD die Visualisierung und Weiterentwicklung zu ermöglichen und im ERP – bestenfalls automatisiert – direkt eine Aktualisierung der Stückliste oder Ersatzteilbestellung vorzunehmen. Ferner betrachten wir die Unternehmensprozesse der Kunden ganzheitlich. Dabei arbeiten wir eng mit unseren Lieferanten Microsoft, PTC und SAP zusammen. Gemeinsam verfolgen wir nicht nur die Devise «Daten sind das neue Gold», sondern bauen das IT-Fundament, um aus den vorhandenen Daten Wissen zu gewinnen und damit unsere Kunden nachhaltig zu stärken.

Welche Tipps geben Sie Unternehmen, um Augmented-Reality-Projekte zu realisieren?

Erfolgreiche Technologieprojekte müssen vom Businessnutzen getrieben sein. Halten Sie sich die zu lösenden Probleme vor Augen. Erst danach geht es um den geeigneten Technologieeinsatz.

Eine Vision zu haben ist das A und O. Bei zu ambitionierten Vorhaben ist ein iteratives Vorgehen von Vorteil, bei dem Fortschritt und Vision inkrementell revidiert werden. Kleine Schritte und ein lauffähiges Produkt nach jeder Iteration sind entscheidend, um die Vision zu konkretisieren und Irrwege früher zu erkennen.

Die Einführung neuer Technologien führt oft zu einer Veränderung der Arbeitsvorgänge. Eine lernende und offene Organisationskultur, die den Endbenutzer – etwa den Servicetechniker mit einer AR-Brille – ins Zentrum stellt, hilft, Widerstände abzubauen und die Transformation zu erleichtern.

Kommunikation und Kreativität sind vor allem bei der Identifikation des Businessnutzens unabdinglich. Mit Coaching können Sie geeignete Kreativitätstechniken einsetzen und Anwendungsbereiche ausserhalb der Komfortzone erkennen. Ein Perspektivenwechsel hilft, über den Tellerrand zu blicken und revolutionäre Ideen zu entwickeln.

Agile Methoden haben in den letzten Jahren nicht nur in der Softwareentwicklung Einzug gehalten. Design Thinking, Lean Startup und Scrum sind als Werkzeuge des Digitalisierungszeitalters allzeit präsent. Was haben diese Methoden gemeinsam? Sie fordern Agilität von einer Organisation. Eine Kombination der Methoden und das Aneignen einer agilen Einstellung verspricht einen zielorientierten Einsatz der Mitarbeitenden.

Wie wird sich Augmented Reality zukünftig entwickeln, damit potenzielle Kunden davon profitieren?

AR hat bereits heute in vielen Lebensbereichen Einzug gehalten. Industrie- und weitere Unternehmen, die ein breites Spannungsfeld für die Exploration von AR-Services mitbringen, fokussieren sich derzeit auf den konservativen Verkauf von Services. Dabei geht es eigentlich darum durch die Verbesserung der Servicequalität einen Nutzen zu erbringen, der die Kundenbindung stärkt. Dadurch haben diese Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil und bleiben länger erfolgreich am Markt.

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