2. Welle der Corona-Pandemie

Die 2. Welle der Corona-Pandemie stärkt zwar die Akzeptanz von Homeoffice, doch wachsen gleichzeitig die Unsicherheiten. Was tun, haben wir den IT-Dienstleister GIA gefragt.

Es ist kein sehr erfreuliches Bild, das der IT-Dienstleister GIA angesichts der gegenwärtigen Situation zeichnet. „Das Sars-CoV-2-Virus hat unsere Gesellschaft in einen Schockzustand versetzt und für die meisten Unternehmen geht es jetzt ums nackte Überleben – ob gesundheitlich oder wirtschaftlich“, konstatiert denn auch GIA-Marketingchef Silvan Wyser. Er beruft sich dabei auf eine Umfrage der Berner Fachhochschule (PDF), laut der nur 0,7 Prozent der befragten KMU angeben, „gar nicht“ von der Krise betroffen zu sein.

Kurz gesagt hat die Covid-19-Pandemie alles verändert, wie wir uns informieren, wie wir kommunizieren, wie wir uns entscheiden, einkaufen und konsumieren, hatte Wyser erst kürzlich in einem Interview ausgeführt und am Beispiel des Marketings eine „erschreckende und wirkungslose Krisenreaktionen“ konstatiert. Und er steht mit diesen Einschätzungen keineswegs allein. Auch unser Kolumnist Jean-Marc Hensch hält fest, dass Corona der Digitalisierung schadet. Da niemand darauf vorbereitet gewesen sei, was Corona alles an digitalen Zumutungen mit sich bringe, habe am Ende der persönliche Eindruck gestanden, „Digitalisierung sei etwas, was in der Krise über einen hereinbricht, einen überfordert, einen dem richtigen Leben entfremdet und so bald wie möglich zu Ende sein sollte“.

Hinzukommt die schlichte Tatsache, dass in den Unternehmen selbst in den wenigsten Fällen richtig und konsequent digitalisiert werden konnte. „Chancen wurden verpasst, weil es einfach nicht anders ging. Es ging darum, zu funktionieren und den Betrieb irgendwie am Laufen zu halten“, so Hensch weiter, „in vielen Betrieben musste man sich deshalb nach der Decke strecken und mit Bordmitteln auskommen“.

Silvan Wyser, Head of Marketing von GIA Informatik

Die Kosten müssen runter

Es verwundert also nicht, wenn bei GIA einmal mehr unterstrichen wird, dass das Virus derzeit die Agenden aller Unternehmen bestimmt und es noch einige Zeit so bleiben wird. Auffällig ist hingegen die so lapidare wie eindringliche Antwort von Wyser auf die Frage, was in den KMU derzeit die Agenda bestimmt. Drei Dinge sind akut, erklärt er, „Kosten senken, Kosten senken und Kosten senken“.

Zwar profitiere GIA als IT-Dienstleister auch von der Krise, weil Nachfrage nach Cloud-Anwendungen Hand in Hand gehe mit dem krisenbedingten Tempo der Digitalisierung. Stärker als früher seien „hybride Cloud-Lösungen und Lösungen für standortübergreifendes Arbeiten“ gefragt. Aber auch hinter diesen Projekten stehe „immer mit dem Ziel, Kosten einzusparen“. Viele Unternehmen wollen oder können sich keine teuren On-Premise-Lösungen mehr leisten, schiebt er nach.

Als Dauerthema verweist Wyser dann noch auf die Cyber-Security. Dem Schutz der Infrastruktur komme die höchste Bedeutung zu. Aber „das war immer so und wird stets so bleiben“, sagt Wyser. Anders sei es in Zeiten von Corona mit den viele neue Schwachstellen, die sich den Angreifern eröffnet haben. Die Verbreitung von Schadsoftware habe in einem unglaublichen Mass zugenommen und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gehe von 320’000 neuen Schadprogrammen aus – und zwar pro Tag, wie Wyser unterstreicht. Zudem dominiere die Schadsoftware Emotet, die als gefährlichste Schadsoftware der Welt gilt. „Wer sich mit diesem Thema nicht beschäftigt, handelt grobfahrlässig. Das gilt nicht nur für den IT-Leiter, sondern auch für die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat.“

Zuversichtlich ist man bei GIA hingegen bei den weichen Faktoren, die das Thema Homeoffice bestimmen. Natürlich sei es wichtig, dass jeder Mitarbeitende über einen „modern Workplace“ verfüge, stellt der Dienstleister denn auch zunächst einmal klar. So müsse jeder von überall sicher auf seine Daten zuzugreifen können. „Smart Working“ sei der neue Standard. Dass darüber hinaus in einem Unternehmen nach sechs Monaten Corona noch eine besondere Schulung oder Sensibilisierung der Mitarbeitende notwendig ist, „hoffe ich“, sagt Wyser.

Kein Geld mehr für Innovationen

Doch abgesehen von solchen möglichen und nötigen Optimierungen hat die Pandemie auch negative Auswirkungen für die Digitalisierung, weil insbesondere Erneuerungen auf der Strecke bleiben. Für Innovationen brauche es Geld und Zeit, führt der GIA-Spezialist aus. Aber „wenn ein Unternehmen in Kurzarbeit ist, fehlt es nicht nur an den finanziellen Mitteln, sondern es fehlt auch die Arbeitsleistung, die für das Innovationsmanagement dringend gebraucht würde“. So gesehen sei Kurzarbeit Gift für die Innovation, illustriert er die Lage.
Die hier schlummernden Gefahren sollten KMU nicht unterschätzen. Auch wenn in der Krise Gelder für Cloud- und Smart-Working-Lösungen sowie das À-jour-Halten der Security aufzubringen waren, riskiert man mit dem Verzicht auf Innovationen die Wettbewerbsfähigkeit.

Quelle: www.inside-it.ch

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