Minimierung der Ausfalldauer im Katastrophenfall

Ein Datenverlust passiert oftmals schneller, als man denkt. Gemäss dem „EMC Data Protection Index“ haben 56 Prozent der deutschen Unternehmen in den letzten 12 Monaten entweder einen Datenverlust oder Ausfallzeiten erlitten. Der daraus entstandene Schaden beträgt rund 34 Milliarden Euro. Wir schätzen, dass in der besagten Zeitspanne auch in der Schweiz jedes zweite Unternehmen mit solchen Problemen konfrontiert war.

Datenverluste sind existenzgefährdend

Datenverluste und längere Ausfallzeiten sind zudem ärgerlich und teuer. Aber nicht nur das. Verschiedene Untersuchungen belegen, dass sich 43 Prozent der Unternehmen nach einem Totalverlust ihrer Daten nicht mehr erholten und weitere 29 Prozent innerhalb der nächsten zwei Jahre Insolvenz anmelden mussten.

Scheu vor Outsourcing

Doch wieso scheuen nach wie vor viele KMU ein komplettes Outsourcing ihrer Daten? Ein häufiger Grund ist die damit einhergehende Abhängigkeit: Eine Firma legt ihr wichtiges Gut, ihre Daten, in die Hände eines externen IT-Anbieters. Zudem fürchten sich die Verantwortlichen vor einem eventuellen Know-how-Verlust. Dabei ist ein Outsourcing eigentlich nichts anderes als die Nutzung von externen Ressourcen. In anderen Geschäftsbereichen – wie etwa in der Logistik – hat sich diese Vorgehensweise bereits seit langem etabliert.

Backup schafft Sicherheit

Der grösste Vorteil eines Daten-Backups ist die Minimierung der Ausfalldauer und des Datenverlustes im Katastrophenfall. Dabei geht es nicht nur um Naturkatastrophen wie Erdbeben. Die Gefahr eines Brandes im eigenen Datacenter oder auch einfach nur ein Stromausfall sind bereits gute Gründe, um seine Daten an einen zweiten Standort zu spiegeln. Fällt das eigene Datacenter aus, übernimmt das Backup-Datacenter und stellt auf diese Weise den Unternehmensbetrieb sicher. Das ist übrigens auch nützlich, wenn das erste, eigene Datacenter für Wartungsarbeiten vom Netz genommen werden muss. Doch es muss nicht immer der schlimmste Fall eintreffen. Ein Backup schafft auch Sicherheit, dass man vorgängige Versionen einer Datei wiederherstellen kann. Wie leicht kann man etwas unbeabsichtigt löschen oder überschreiben? Mit einem Backup können diese Fehler einfach korrigiert werden.

Hohe Geschwindigkeit

Das Hauptmerkmal bei der Wiederherstellung der Daten aus einem Backup-Datacenter ist die Geschwindigkeit. „Bei Tape-Backups kann es passieren, dass Daten einer ganzen Woche verloren gehen – je nachdem, wann das letzte Backup durchgeführt wurde. Es gibt zahlreiche Unternehmen, die einen solchen Datenverlust nicht überleben würden.

Konkrete Massnahmen

Der jeweilige Anbieter spiegelt die eigenen Backup-Systeme in den vorhandenen Datacentern. Das heisst, die Backup-Daten sind in den Datacentern jederzeit vorhanden, sodass bei einem Verlust eines Datacenters keine Daten verloren gehen und die gesicherten Daten sofort wieder zur Verfügung stehen. Häufig werden Kunden auch Disaster- oder Backup-Analysen angeboten. Zuerst werden die bestehenden Konzepte überprüft. Anschliessend erarbeiten Spezialisten verschiedene Lösungsvorschläge für eine Datenauslagerung unter Berücksichtigung der aktuellen und künftigen Anforderungen.

Stärken und Schwächen eines Backups

Die Stärken eines Backups bestehen darin, dass jegliche Arten von Daten gesichert und im Bedarfsfall zu einem späteren Zeitpunkt wiederhergestellt werden können. Die Schwächen liegen im sogenannten RPO (Recovery Point Objective). Mit RPO meint man die Zeitspanne zwischen zwei Backups; dies entspricht der maximalen Daterverlust-Zeit. Nach einem Ausfall des IT-Systems können die Daten des letzten Backups wiederhergestellt werden. Je kürzer diese Zeit gewählt wird, desto grösser ist der Aufwand für die Datensicherung.

René Lüscher im GIA Datacenter in Oftringen

„Outsourcing ist nichts anderes als die Nutzung von externen Ressourcen“, so René Lüscher, Leiter IT-Solutions und Mitglied der Geschäftsleitung.

Trends

Inzwischen sind die Tape-Backupsysteme durch Disk-Systeme abgelöst worden. Letztere haben die Bandlaufwerke punkto Datenvolumen und Geschwindigkeit überholt. Die Disk-Kapazitäten sind heute so gross, dass die alten Tape-Roboter überflüssig geworden sind. Der Trend geht dahin, dass künftig keine dedizierten Backup-Systeme mehr zum Einsatz kommen, sondern dass die Backups direkt auf die Speichersysteme durchgeführt werden. Der Preiszerfall und die immer höheren Disk-Kapazitäten werden diesen Trend begünstigen.

Folgen ohne Daten-Backup

Häufig entstehen Hardware-Probleme. Kritisch ist oft auch der Faktor Mensch: Einerseits aufgrund von Böswilligkeit (Spionage, Diebstahl, Sabotage durch Mitarbeitende), andererseits aufgrund von Unachtsamkeiten, wie sie täglich vorkommen.

Hackerangriffe begegnen

Mit Backups zu tun haben – zwar nicht immer, aber teilweise – auch Hackerangriffe. So verschlüsselte der Krypto-Trojaner „Locky“ 2016 bei vielen Benutzern alle Dateien auf der Festplatte und konnte gegen ein „Lösegeld“ wiederhergestellt werden. In diesem Falle ist es von Vorteil, wenn ein aktuelles Backup vorhanden ist, um einer Erpressung zu entgehen.

Grundsätzlich ist ein Daten-Backup eine Datensicherung, nicht mehr und nicht weniger. Um effizient gegen Hackerangriffe, Viren etc. vorzugehen, muss die IT mit anderen Mitteln geschützt werden. Nicht zuletzt gehört auch eine Sensibilisierung der Mitarbeitenden mit dazu: Wie sollen sie mit Anhängen in Mails von unbekannten Absendern umgehen? Welche Daten benötigt eine Internetseite wirklich?

Künftige Tendenzen

Outsourcing-Aktivitäten werden weiter zunehmen. Firmen können und wollen ihre IT in Zukunft nicht mehr selber betreiben und werden Outsourcing nutzen wie andere Dienstleistungen auch. Deshalb werden die Outsourcing-Provider nichts unversucht lassen, um die IT ihrer Kunden so sicher wie möglich zu betreiben.

Faktenbox zum Thema-Datenbackup
Aufgabe Definition, welche Daten zu welchen Zeitpunkten gesichert werden sollen.
Ziele Minimaler Datenverlust (RPO=Recovery Point Objective), minimale Ausfallzeit eines Geschäftsprozesses (RTO=Recovery Time Objective).
Hard-/Software Backup to Disk. Eine spezielle Backup-Software sichert die Daten mit minimaler Einschränkung für den laufenden Betrieb auf Backup-Systeme.
Preis Der Preis richtet sich nach den Anforderungen (Datenvolumen, RPO, RTO). Er ist relativ hoch, aber ein Mehrfaches wert, wenn man diese „Versicherung“ braucht.
Dauer Wenn ein Backup-Konzept und eine Daten-Klassierung vorhanden sind, benötigt das Installieren eines Backups nur wenig Zeit.

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