Es ist vollbracht. Die wunderschönen Alpen hat er erlebt, genauso ins städtische Lichtermeer getauchte Flughäfen in Amerika. Was steht als Nächstes an? Technology Consultant SAP und Pilot Hanspeter Roos bezieht im Interview Position zu Flugzeugtypen, Fliegerjargon und Flugwettervorhersagen.

Appenzell Blick aus dem Cockpit

Blick aus dem Cockpit auf das Alpsteingebiet mit dem Sämtisersee und den Bergen Hochhus (Mitte links, 1926 m ü. M.), Mutschen (oben links, 2122 m ü. M.), Altmann (oben Mitte, 2436 m ü. M.) und Säntis (oben rechts, 2501 m ü. M.).

Hanspeter Roos, der Schweizer Journalist und Buchautor Walter Ludin sagte einst: «Wer fliegen will, muss den Mut haben, den Boden zu verlassen.» Gilt diese Aussage auch für Sie in Ihrer Funktion bei GIA Informatik?

Als «Technology Consultant SAP» bei GIA Informatik berate und betreue ich Kunden beim technischen Aufbau, Betrieb und der Weiterentwicklung von SAP-Systemlandschaften. Gemeinsam heben wir ab. Deshalb hat dieses Zitat durchaus einen hohen Wahrheitsgehalt.

Welches ist Ihr Arbeitsinhalt?

Bei Kunden, die SAP-Systemlandschaften in ihrem eigenen Datacenter betreiben, stelle ich den optimalen Übergang in die Betriebsverantwortung von GIA Informatik sicher. Je nach Anforderung prüfe und definiere ich Szenarien und Migrationswege. Ich kläre zum Beispiel, ob beim Umzug der Systemlandschaft weiterhin die bestehenden Betriebssystem- und Datenbank-Kombinationen übernommen werden sollen oder ob sich mit dem Umzug in die Datacenter von GIA Informatik der Schritt auf eine aktuellere und leistungsstärkere Operating-System- und Database-Kombination anbietet.

«Fliegen gibt mir immer wieder das Gefühl von grosser Freiheit.»
Hanspeter Roos, Technology Consultant SAP bei GIA Informatik AG

Wie kamen Sie zum Fliegen?

Ich wuchs in der Stadt Luzern in Hörweite des Militärflugplatzes Emmen auf, weshalb ich früh mit der Fliegerei in Kontakt kam. Während meines Studiums in Wirtschaftsinformatik absolvierte ich die Ausbildung zum Gleitschirmpiloten bei der Flugschule Titlis in Wolfenschiessen, Kanton Nidwalden. Ich fühlte mich frei und genoss es, lautlos durch die Lüfte zu navigieren und das Spiel mit der Thermik auszuprobieren. Bei einem Passagierflug in die atemberaubende Bergwelt der Berner Alpen war es dann um mich geschehen. Die Faszination für die Technik und das Erlebnis der Grenzenlosigkeit über den Wolken haben mich seither nie mehr losgelassen.

Was gibt Ihnen die Fliegerei?

Fliegen vermittelt mir immer wieder das Gefühl von grosser Freiheit. Ich liebe die Herausforderung, die technischen Geräte und Verfahren zu beherrschen. Zudem ist es mein Ziel, ständig im Training zu sein, um auf dem aktuellsten Stand zu bleiben.

Stadt Luzern Hanspeter Roos

Die winzig kleine Stadt Luzern im Zentrum des Weltgeschehens. Weshalb? Weil China und Indien das Löwendenkmal und den Gletschergarten entdeckt haben. Dabei im Blickfeld: Die historische Kapellbrücke mit dem Wasserturm und die die Alt- und Neustadt verbindende Seebrücke.

Wie viel Zeit verbringen Sie in der Luft?

Jährlich sind es zwischen 35 bis 66 Stunden. Ein erheblicher Anteil davon geht auf die Einsätze als Segelflug-Schlepppilot zurück. Überdies beinhaltet diese Kalkulation auch Flüge ins angrenzende Ausland und innerhalb der USA.

Gibt es eine Regel, die besagt, wie viele Stunden Sie pro Jahr fliegen sollen?

Im Gegensatz zum Autofahren muss ein Pilot ein minimales Flugtraining vorweisen können. Für die Verlängerung der jeweils zwei Jahre gültigen Privatpilotenlizenz ist der Nachweis von mindestens zwölf Flugstunden sowie zwölf Starts und Landungen innert Jahresfrist zu erbringen. Zusätzlich muss man einen einstündigen Checkflug mit einem Fluglehrer absolvieren. Aber: Mit diesem gesetzlichen Minimum kann kaum der notwendige Trainingsstand für einen sicheren Flugbetrieb aufrechterhalten werden.

Der grosse Aletschgletscher Hanspeter Roos

Der Grosse Aletschgletscher wartet mit einer Länge von 23 km und einer Oberfläche von 86 m2 auf. Würde man den grössten Eisstrom der Alpen abschmelzen, könnte jeder Mensch auf diesem Planeten 4,5 Jahre lang täglich einen Liter Wasser trinken.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie Ihre Kreise in der Luft drehen?

Es ist ein Hochgenuss, private Rundflüge in unterschiedliche Regionen der Schweiz durchzuführen. Der Start findet in Kägiswil statt, einem ehemaligen Militärflugplatz bei Sarnen. In wenigen Flugminuten erreiche ich Eiger, Mönch und Jungfrau, die Berner Alpen, den Titlis, den Grimselpass in Richtung Wallis und über den Furka- und Gotthardpass das Tessin. Die Passagiere sind begeistert von unserem wunderschönen Land. Sie staunen und sind fasziniert, bekannte Gegenden aus der Vogelperspektive zu sehen. Es ist das schönste aller Gefühle.

«Als Segelflug-Schlepppilot fördere ich angehende Segelflugpiloten.»
Hanspeter Roos, Technology Consultant SAP bei GIA Informatik AG

Sie sagten, Sie fungieren ab und zu als Schlepppilot. Warum?

Seit vier Jahren bin ich an 10 bis 15 Tagen pro Jahr als Schlepppilot bei der Segelfluggruppe Obwalden im Einsatz, einem Verein mit rund 35 Segelflugpiloten. Es reizt mich, angehende Piloten zu fördern und auszubilden. An Tagen mit idealem Segelflugwetter notiere ich am Abend gut und gerne 5 Stunden 15 Minuten reine Flugzeit und 22 Landungen in mein Flugbuch.

Mit welchen Flugzeugtypen dringen Sie in ungeahnte Höhen vor?

Mit der Privatpilotenlizenz mit der Klassenberechtigung SEP (Single Engine Piston Aircraft) verfüge ich über die Berechtigung für einmotorige Motorflugzeuge mit Kolbenmotoren. Häufig bin ich deshalb mit einer Piper Archer, Diamond DA20, Cessna C172 oder bei Schleppflügen mit einer Robin DR300 in der Luft. Für jeden eigenständigen Flugzeugtyp ist ein Vertrautmachen mit den Eigenheiten des jeweiligen Flugzeuges – im Fliegerjargon «Familiarisation» – unter Anleitung eines Fluglehrers mit Eintrag in das Flugbuch vorgeschrieben.

Rundflug Robin Hanspeter Roos

Hanspeter Roos ist im Beruf und im Cockpit seines Flugzeugs stets zuvorderst anzutreffen. Als Pilot dringt er mit seiner Piper Archer in unbekannte Gefilde vor.

Welche Abenteuer haben Sie im Flugzeug schon erlebt?

Ich verbinde damit einzigartige Erlebnisse. Ich vergesse ihn nie, meinen ersten 45-minütigen Soloflug in der Innerschweiz, zum ersten Mal ohne Fluglehrer. Das gab mir einen riesigen Motivationsschub für die praktische Ausbildung. Ferner flogen wir mit unserer Motorfluggruppe häufig ins Ausland. Eine längere Reise mit vier Maschinen führte quer durch Deutschland über die Ostsee bis zum Flughafen Roskilde bei Kopenhagen. Im Cockpit pflegten wir gutes Teamwork – genau wie bei einem Informatikprojekt. Der Blick runter auf die Ostsee entlang der Vogelfluglinie über den «Fehmarnbelt», eine breite Wasserstrasse zwischen der Südküste von Lolland und Fehmarn in der westlichen Ostsee, war grossartig. Überdies flogen wir mit einer Gruppe von jeweils drei bis vier Piloten aus der Schweiz und Deutschland in verschiedene Gebiete der USA; mit der Unterstützung von lokalen Fluglehrern erkundeten wir den Süden Floridas entlang der «Seven Mile Bridge» bis nach Key West. Der lange Flug über Wasser ohne ideale Notlandemöglichkeiten verlangte mir alles ab – vor allem konzentrationsmässig. Bei Flügen ab Las Vegas durften wir die Nationalparks aus der Luft erkunden. Die tiefen Einschnitte des Colorado Rivers zeigten sich am Horseshoe Bend in Page in den tollsten Farben. Das Highlight war die Nachtlandung auf dem North Las Vegas Airport: Der Flugplatz war ins Lichtermeer dieser Spieler-Stadt eingetaucht und kaum zu finden. Ein einmaliges Erlebnis! Wir drei Piloten schätzten uns glücklich, lokale Instruktoren an unserer Seite zu haben, die uns bei diesem technisch höchst anspruchsvollen Flug begleiteten.

«Bei der Projektplanung hilft mir meine fliegerische Erfahrung, mögliche negative Einflussfaktoren nicht zu unterschätzen und beim Zeitmanagement Pufferzeiten einzukalkulieren.»
Hanspeter Roos, Technology Consultant SAP bei GIA Informatik AG

Was lernten Sie beim Fliegen?

Die Ausbildung besteht aus neun Theoriefächern und der Radiotelefonie-Praxis. Dazu gehören zum Beispiel allgemeine Luftfahrzeugkenntnisse, Flugleistung und Flugplanung, menschliches Leistungsvermögen und Radiotelefonie. Für mich war neben der Aerodynamik das Fach Meteorologie spannend. Die erworbenen Kenntnisse helfen mir auch heute, die Wetterentwicklung aufgrund von Wetterkarten abzuschätzen. In der praktischen Ausbildung habe ich viel über die Geografie der Schweiz gelernt. Markante Orte wie Kloster Einsiedeln, Kloster St. Urban, Schloss Lenzburg, Autobahnkreuzungen und Eisenbahnlinien dienen als Navigationspunkte für den Sichtflug.

Welche Parallelen – organisatorisch, technisch und projektmässig – ziehen Sie zwischen Ihrer Arbeit und dem Flugsport?

Eine systematische, strukturierte Arbeitsweise und fundierte theoretische und praktische Kenntnisse bilden die Grundpfeiler des fliegerischen Handwerks. Wie bei einem Informatikprojekt kläre ich bei der Flugvorbereitung viele Punkte minutiös ab: Genaues Ziel (Anflugkarten), Routenplanung unter Berücksichtigung der Lufträume, benötigte Zeit, notwendige Ressourcen (Treibstoffberechnung inklusive Reserve), Gewichts- und Schwerpunktberechnung, Meteo (Flugwettervorhersage), Ausweichlandeplatz.

Analog zu meiner Arbeit muss ich beim Flug jederzeit auf unerwartete Ereignisse vorbereitet sein

Kann ich die geplante Route einhalten (Projektplan)?

Bin ich zum geplanten Zeitpunkt am richtigen Ort (Zeitmanagement/Meilensteine)?

Wie hoch ist der aktuelle Treibstoffstand/die Reserve (Ressourcen/Kostenplanung)?

Wo gibt es potenzielle Ausweich-Notlandeplätze (Notfallplan/Fallback-Szenarien/Safety First)?

Wie erfolgt die Kommunikation und die Koordination mit der Flugverkehrsleitung (Kundenkommunikation)?

Bei Informatikprojekten und der Fliegerei ist stets nach dem Motto «Always expect the unexpected» zu leben.

«Weichen die tatsächlichen Ereignisse von der Planung ab, muss man flexibel bleiben und alternative Lösungswege finden.»
Hanspeter Roos, Technology Consultant SAP bei GIA Informatik AG

Los Angeles Hanspeter Roos

L.A., City of Angels, bringt stets ungeahnte Höhenflüge mit sich.

«Kein Start ohne einen Plan B in der Tasche.»
Hanspeter Roos, Technology Consultant SAP bei GIA Informatik AG

Welche bei der Fliegerei gewonnenen Fähigkeiten setzen Sie zugunsten Ihres Unternehmens und Ihrer Kunden ein?

Eine gute Zeit- und Ressourcenplanung ist essenziell, um ein Projekt im vorgegebenen Kostenrahmen und in der vereinbarten Zeit durchzuführen und abzuschliessen. Bei der Projektplanung hilft mir meine fliegerische Erfahrung, mögliche negative Einflussfaktoren nicht zu unterschätzen und beim Zeitmanagement Pufferzeiten einzukalkulieren. Beim Fliegen und Projektmanagement gilt: Weichen die tatsächlichen Ereignisse von der Planung ab, muss man flexibel bleiben und alternative Lösungswege finden. Fazit: Kein Start ohne einen Plan B in der Tasche.

Wie verwenden Sie neue Technologien?

In der Leichtaviatik nutzen wir viele technische Hilfsmittel – auch als Informatiker ist es höchstinteressant, diese rasante Entwicklung mitzuerleben. Das Tablet verwende ich als elektronischen Pilotenkoffer. Flugplanungen und die Aufgabe von Flugplänen erfolgen heute webbasiert und mit Hilfe von Apps. Flugwetterprognosen und Wetterkarten erhalten wir elektronisch von den offiziellen Meteozentralen. Die Anflug- und Navigationskarten werden mit GPS-Unterstützung während des Fluges nachgeführt.

Welche Pläne hegen Sie derzeit in der Fliegerei?

Dieses Jahr planen wir in einer Kleingruppe mit drei Piloten eine aviatische Rundreise in Kalifornien mit Abstechern an die Westküste von Los Angeles bis San Diego. Als Teilnehmer einer Reisegruppe von etwa 30 Hobbyfotografen – Planespotters – und Flugzeugfanatikern besuchen wir anschliessend eine Oldtimer-Airshow in Chino und mehrere Flugzeugmuseen.

«Es ist das höchste aller Gefühle, Passagieren die wunderschöne Bergwelt unserer Heimat zu zeigen und sie dafür zu begeistern.»
Hanspeter Roos, Technology Consultant SAP bei GIA Informatik AG

Dänemark Auslandflug Hanspeter Roos

Hanspeter Roos fliegt mit seinem einmotorigen Motorflugzeug auch ins Ausland, wie hier nach Dänemark.

Welche Projekte stehen im Beruf als Nächstes an?

Ich stelle ein hohes Interesse unserer Kunden am Readiness-Check für SAP S/4HANA fest. Bis 2025 muss der Umstieg von den SAP ERP Lösungen auf SAP S/4HANA erfolgen: An diesem Zeitpunkt endet die Wartung durch SAP. Bei einigen Kundenprojekten steht in nächster Zeit ein Entscheid für die entsprechenden Konvertierungsprojekte an. Andere Kunden erwägen gegenwärtig, die Konvertierung ihres R/3-Systems zu SAP S/4HANA ohne Risiko einem Proof of Concept zu unterziehen. Dazu bietet GIA Informatik individuell aufgesetzte S/4HANA-Sandbox-Systeme zum Fixpreis an, ohne dass unsere Kunden in Hardware investieren müssen. Diese interessanten Aufgaben werden mich am Boden halten und langfristig begeistern.

Grand Canyon Hanspeter Roos

Der Grand Canyon, die 450 km lange Schlucht im Norden von Arizona, liegt unter der Cessna 172 mit Hanspeter Roos.

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