Markus Dillena zieht spannende Schlüsse

Seit vielen Jahrzehnten auf Achse: sei dies auf der Tartanbahn, im Modelleisenbahnklub oder bei GIA als SAP-FI/CO-Berater. Markus Dillena zieht spannende Schlüsse und erkennt essenzielle Parallelen zwischen seinen drei Lebenswelten.

Sie sind seit 20 Jahren SAP-FI/CO-Berater beim IT-Unternehmen GIA. Weshalb so lange?

Nach der Aufgabe der operativen Geschäftstätigkeit meines vormaligen Arbeitgebers stieg ich bei GIA als SAP-FI/CO-Berater ein. Neben der Betreuung der verschiedenen Müller-Martini-Firmen übernahm ich bald Teilprojektleitungen und Supporttätigkeiten bei Unternehmen ausserhalb des Mutterkonzerns. Über die Jahre erhielt ich viele Einblicke in Firmen verschiedener Grösse und aus unterschiedlichen Branchen. Von 2006 bis 2008 absolvierte ich den Studiengang MAS Controlling, um mein betriebswirtschaftliches Wissen aktuell zu halten. Meine Arbeit gefällt mir sehr gut, sodass aus den ursprünglich angedachten zwei Jahren inzwischen über 20 Jahre geworden sind.

Markus Dillena Training

Trainingsvorbereitung der Kategorien U14/U16 auf der Schulsportanlage Rösli in Zürich

Was reizt Sie an Ihrer Arbeit?

Im Vordergrund steht das selbstständige Arbeiten. Bei der Diskussion mit Kunden ist es wichtig, nicht nur einen bestimmten Lösungsweg zu verfolgen, sondern Lösungsalternativen aufzuzeigen. Hier bringe ich mein betriebswirtschaftliches Grundwissen und meine jahrelange Erfahrung bei der Lösungsfindung und Umsetzung ein. GIA als Arbeitgeberin bietet optimale Voraussetzungen: Die Zusammenarbeit in kleineren, effizienten Projektteams, eine zeitgemässe Infrastruktur, flexible Arbeitszeiten und attraktive Arbeitsbedingungen bilden den idealen Rahmen.

Welche beruflichen Herausforderungen stehen in Bälde an?

Eine Herausforderung ist der Wechsel vom ERP-System SAP R3 auf SAP S/4HANA, verbunden mit Cloud-basierten Lösungsmodellen. Essenzielle Erfahrungen sammelte ich bei einer S/4HANA-Neueinführung. Ebenso wird die Beratungstätigkeit generell anspruchsvoller: Kunden decken den First-Level Support mit firmeninternen Ressourcen ab. So umfassen Beratungsanfragen vermehrt komplexe Problemstellungen, deren zeitnahe Lösung oftmals eine Herausforderung bildet.

Sie trainieren seit bald 40 Jahren Junioren und Nachwuchsathleten in der Leichtathletik. Was ist der Grund?

An jedem mehr oder weniger gelungenen Lauf, Sprung oder Wurf gibt es etwas Positives anzumerken. Ich motiviere die Kinder, weiter an sich zu arbeiten. Die Leichtathletik ist primär eine Einzelsportart. Staffelläufe bieten die Möglichkeit, etwas im Team zu bewegen. Spass und Humor dürfen dabei nicht fehlen. Parallel zum Jugendtraining bilde ich Nachwuchstrainer aus. Der zeitliche Aufwand ist mit drei bis vier wöchentlichen Trainingseinheiten hoch und zwingt mich, bei jedem Wetter zumindest einige Programmteile aktiv zu gestalten.

Markus Dillena Modellbahn Klubanlage

Die Spur-0-Klubanlage (Massstab 1:45) des Modelleisenbahnklubs Wil/SG an einem öffentlichen Fahrtag

Welche Gefühle hegen Sie, wenn Sie die Fortschritte der U12- bis U18-Athleten bemerken?

Im Nachwuchs übernehmen wir die Kinder im Alter ab 10 Jahren und betreuen sie bis 15. Neben der Vermittlung des Disziplinen-technischen Wissens stehen die Weiterentwicklung von koordinativen Fähigkeiten, Beweglichkeit und Ausdauer im Vordergrund, aber auch die Vermittlung von positiven Werten zur Persönlichkeitsentwicklung.

Spannend ist es, die sportliche Entwicklung der Athleten über längere Zeit zu verfolgen, egal, ob sie bei der Leichtathletik bleiben oder in anderen Sportarten erfolgreich sind. Zum Beispiel betreute ich im Nachwuchs einen Athleten, der später bei GC und in der tunesischen Fussball-Nationalmannschaft spielte, eine Athletin, die in der spanischen Liga als Profi-Basketballerin tätig war oder, gerade aktuell, eine Athletin, die in der Bob-Weltelite mitmischt.

Petra Fontanive, die schon in der Jugend ins nationale Hürdenkader aufgenommen worden war, trainierte ich von den Schülerkategorien bis ins U18-Alter. Mit ihrem Übertritt zu den Juniorinnen übernahm ein Trainerteam mit internationaler Erfahrung. Ihre sportliche Entwicklung mit Teilnahmen an Europa- und Weltmeisterschaften erreichte mit den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro den Höhepunkt. Petra Fontanive schaffte es über 400 m Hürden bis ins Halbfinal. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich im Jugendbereich an diesen Sportkarrieren erfolgreich mitwirkte.

Beim Training mit Jugendlichen geht es ums Beobachten, Erkennen von Verbesserungspotenzial und Vermitteln von Korrekturen, die immer positiv und motivierend sein sollen. Parallelen zum Geschäftsleben erkenne ich bei der Analyse von Fragestellungen, dem Erarbeiten von Lösungsalternativen und der zielgerichteten Umsetzung zugunsten der Kunden.

Markus Dillena
SAP-FI/CO-Berater von GIA Informatik
Überdies sind Sie in verschiedenen Eisenbahn-Modellbau-Vereinigungen aktiv. Welche Faszination übt der Modellbau auf Sie aus?

Schon als Bub war ich fasziniert von Zügen. Seit Beginn der kaufmännischen Berufslehre sammle ich Fahrzeuge im Massstab H0 (1:87), vorwiegend nach Schweizer Vorbildern. Mein Onkel und Pate war 1948 Gründungsmitglied des Modelleisenbahnklubs Wil/SG. Nach seinem Tod übernahm ich seine komplette Spur-0-Sammlung (Massstab 1:45) und wurde im Klub Aktivmitglied. Ebenso übernahm ich die Finanzen, die ich seit mehr als 15 Jahren betreue.

Beim Verein Freunde Schweizer Schmalspurbahnen sprang ich ein, als es galt, innerhalb von zwei Jahren sämtliche Fahrzeuge an neue Standorte zu verschieben. Ich organisierte und koordinierte die Transportvorbereitung und -durchführung. Fünf Fahrzeuge waren in Roggwil-Wynau eingestellt, weshalb ich den Standort von Oftringen aus für Transportvorbereitungen schnell erreichte. Wir werden die an verschiedenen provisorischen Standorten untergebrachten Fahrzeuge in absehbarer Zeit wieder bewegen müssen. Dies erfordert erhebliche Geldmittel für Pneukrane und Tieflader.

Verlad Triebwagen Markus Dillena

Der Verlad des Triebwagens 201 der Frauenfeld-Wil-Bahn (Baujahr 1921) in Roggwil-Wynau für den Transport nach Riedholz/SO, 30. April 2014

Ebenso sind Sie Mitglied im Schweizerischen Verband Eisenbahn-Amateur (SVEA). Weshalb?

Der SVEA ist der Dachverband der Schweizerischen Eisenbahn- und Modelleisenbahnklubs. Er umfasst heute 87 Vereine unterschiedlicher Grösse. Zur Mitarbeit im Verbandsvorstand bin ich 2015 auf Empfehlung eines Vorstandskollegen gekommen. Der SVEA gibt die Zeitschrift «Eisenbahn Amateur» heraus. Ich verfasse Beiträge über Neuheiten und hin und wieder Artikel über eingestellte Bahnunternehmen, zum Beispiel über die 1969 eingestellte Zahnradbahn Brunnen–Morschach–Axenstein. Diese Artikel erfordern zeitintensive Recherchen. Die Freude über positive Kommentare nach Erscheinen ist dementsprechend gross.

Ich erkenne primär zwei Fähigkeiten, die ich vom Hobby in den Beruf integriere: Den positiven Umgang mit Personen, egal welchen Alters, und die Fähigkeit, auch komplexe Aufgaben zu strukturieren und koordiniert zu bearbeiten.

Markus Dillena
SAP-FI/CO-Berater von GIA Informatik
Ferner bereisen Sie die Welt und besuchen aktive Dampflokomotiven. Wo waren Sie?

Mich fasziniert die Technik der Dampflokomotiven und ihre letzten Einsätze in authentischer Umgebung. Seit rund 30 Jahren reise ich den letzten aktiven Dampfloks in Syrien, Kuba, Südafrika, Simbabwe, Eritrea und mehrfach in China nach. Neben bleibenden Eindrücken und Erlebnissen erinnern Fotografien und Videos an diese Reisen und eine Epoche, die inzwischen leider weitgehend abgeschlossen ist.

Markus Dillena Kohlengrube in China

Hochbetrieb in der Kohlengrube Zhalai Nuoer im Norden Chinas bei minus 30 Grad Celsius, Februar 2009

Welche Parallelen erkennen Sie zwischen Ihrem Beruf und Ihren Hobbys?

Die Arbeit mit den Kindern unterscheidet sich stark vom Eisenbahnhobby: Beim Training mit Jugendlichen geht es ums Beobachten, Erkennen von Verbesserungspotenzial und Vermitteln von Korrekturen, die immer positiv und motivierend sein sollen. Parallelen zum Geschäftsleben erkenne ich bei der Analyse von Fragestellungen, dem Erarbeiten von Lösungsalternativen und der zielgerichteten Umsetzung zugunsten der Kunden. Der Modellbau dient eher als Kontrast dazu: Hier kann ich etwas Sichtbares gestalten, was bei meiner Beratertätigkeit nicht möglich ist.

Markus Dillena Jingpeng Pass

Ein Güterzug auf dem Kehrviadukt vor Hadashan an der Südrampe des Jingpeng-Passes in China, November 2004. An der Spitze befinden sich zwei Maschinen des Typs QJ (Qian Jin, Fortschritt) mit je 3000 PS.

Haben Sie Fähigkeiten bei einem Ihrer Hobbys erworben, die Sie auch in Ihrem Job einsetzen?

Ich erkenne primär zwei Aspekte: Den positiven Umgang mit Personen, egal welchen Alters, und die Fähigkeit, auch komplexe Aufgaben zu strukturieren und koordiniert zu bearbeiten. Neben meiner langjährigen Arbeit im Jugendbereich greife ich auf das erworbene Wissen aus meinen beruflichen Aufgaben im Einkauf, Export, in der IT, Administrationsleitung und Lehrlingsbetreuung zurück.

Markus Dillena Sonderzug Creighton

Ein Sonderzug auf der offiziell eingestellten Strecke Creighton–Riverside in Südafrika mit einer Gmam-Garratt-Lokomotive an der Spitze, Mai 2013.

Welche Techniken benötigen Sie, um Ihr Modellbau-Hobby auszuüben?

Für die kleineren Modelle habe ich mir ein Lager an Ersatzteilen angelegt, um defekte oder unvollständige Modelle aufzuarbeiten. Die Modelle der grösseren Spur 0 erfordern teilweise grössere Revisionen. Hier helfen Handwerkzeuge aus dem Uhrmacherbereich und eine Tischfräse, um Getriebe zu tauschen, defekte Lämpchen oder abgefahrene Stromabnahmen zu ersetzen.

Der Modelleisenbahnklub Wil entwickelt eigene Wagenbausätze. Nach dem Organisieren von Plänen und Vorbildfotos längen wir Profile ab, zeichnen komplexere Teile und stellen Gussteile her. Alle Teile stellen wir in unserer eigenen Werkstatt her. Für den Zusammenbau benützen wir Widerstandslötanlagen, die wir selber herstellen und ausserhalb des Klubs an interessierte Modellbauer verkaufen. Wir nutzen die Technik des 3D-Drucks, beispielsweise für komplexe Dachaufbauten oder Inneneinrichtungen.

Markus Dillena Gueter Extrazug Eritrea

Ein Güter-Extrazug in der am Roten Meer gelegenen Hafenstadt Massawa in Eritrea. Im Hintergrund der im Bürgerkrieg zerstörte Sommerpalast des ehemaligen äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Die Temperatur beträgt plus 40 Grad Celsius, September 2011.

Welche nächsten Projekte nehmen Sie demnächst in Angriff?

Im Modellbauklub starten wir diesen Winter einen Wagenbaukurs eines L3-Güterwagens. Das Vorbild wurde 1942/43 von den SBB in drei Losen und insgesamt 120 Exemplaren aus Abbruchmaterial von alten Personenwagen in Auftrag gegeben. Alle Arbeiten dokumentiere ich für einen Bericht im «Eisenbahn Amateur». Ebenfalls sichte und wertschätze ich Modellbahnsammlungen bei Todesfällen und übernehme, auf Wunsch der Hinterbliebenen, die Bestandsaufnahme und den Verkauf.

Ferner hat uns eine Feinbäckerei in Wil die Aufgabe erteilt, für die Weihnachtszeit die Schaufensterdekoration mit einer betriebsfähigen Modellbahn zu gestalten. Ich verwende dazu privates Material und freue mich auf diese Aufgabe, mit der ich den Kunden und Passanten eine kleine Freude bereite.

Längerfristig habe ich das Ziel, ein Buchprojekt zu realisieren. Dafür trage ich Bildmaterial, Pläne und Ausstattungsgegenstände zusammen. Da ich einen Modellteil gestalten will, dazu aber noch nichts existiert, wird dieses Projekt noch einige Jahre in Anspruch nehmen und die Realisierung wohl erst nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben starten.

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