«Der Aufenthalt unserer Lernenden in China hat Pioniercharakter»

Dieses Jahr unterstützte die GIA Informatik AG zwei ihrer Lernenden, damit sie im Land der Mitte eine neue Arbeitsumgebung kennen lernen und sich in einer neuen kulturellen Umgebung zurechtfinden.

Stellen Sie sich vor, Sie verbringen Ihre Lehre in einem mittelständischen Unternehmen in einer Kleinstadt – und von einem Tag auf den anderen arbeiten Sie in der grössten Stadt Chinas. Während für die meisten diese Vorstellung eine Fantasie bleibt, wurde sie für zwei Lernende von GIA Informatik zur Realität. Leonie Born, angehende Applikationsentwicklerin, und Janik Müller, angehender Systemtechniker, verbrachten diesen Sommer drei einzigartige Wochen im boomenden BRICS-Staat. Wie kam es dazu? «Der Rektor der Berufsfachschule BBB in Baden sandte uns eine Mail, in der er uns auf ein Praktikum für Lernende in China aufmerksam machte. Die China-Spezialisten von ‹Route2China› organisierten dieses in Zusammenarbeit mit dem interkulturellen Bildungsprogramm AFS», erläutert Janik Müller.

«Anderen Lernenden gebe ich den Tipp, die Chance eines Auslandpraktikums zu 100 Prozent zu ergreifen.»
Janik Müller, angehender Systemtechniker im letzten Lehrjahr

Die Geschäftsführung der GIA Informatik schenkt ihren Lernenden das Vertrauen

Umgehend informierte er Walter Bühler, Ausbildungsverantwortlicher und Leiter IT und Facility Management GIA Informatik AG. «Der Leiter Human Resources Guy Schillinger und ich standen vom ersten Moment an hinter diesem Expansionsprojekt nach China, da dies eine einzigartige Chance für unsere Auszubildenden ist. Sie müssen sich in einem neuen Land durchschlagen, an eine unbekannte Kultur adaptieren und mit einer Fremdsprache auseinandersetzen. Deshalb unterstützte unsere Geschäftsleitung den China-Aufenthalt unserer Lernenden voll und ganz und anerkannte ihre Absenz als normale Arbeitszeit», sagt der 58-Jährige, der bereits seit 2005 für die zwölf Informatik-Auszubildenden der IT-Dienstleisterin aus Oftringen zuständig ist. «Die Geschäftsleitung und das gesamte Unternehmen messen den Lernenden seit Jahrzehnten einen sehr hohen Stellenwert bei. Unsere klar strukturierte Ausbildung spricht sich herum – wir stellen ihnen die komplette Infrastruktur zur Verfügung. Ein Kunde bringt sogar seine Lernenden für eine bestimmte Zeit zu uns, damit wir sie weiterbringen. Wir fördern die Auszubildenden, indem wir sie zu spezifischen Kunden mitnehmen und sie auch Einsätze im Mutterkonzern Müller Martini absolvieren lassen. Die sehr guten Abschlüsse pro Jahr sprechen für unsere akribische Arbeit zugunsten der Lernenden.» Da auf dem freien Markt kaum Informatiker zu finden sind, engagiert sich GIA Informatik sehr in der Ausbildung und sorgt selber für den IT-Nachwuchs. Es ist das Ziel, dass die Auszubildenden nach erfolgreichem Lehrabschluss im Unternehmen bleiben, da sie die Branche, die Charakteristika der Firma und die Unternehmenskultur verinnerlicht haben. «Bei GIA Informatik behandeln wir Lernende wie alle anderen Mitarbeitenden – sie kommen in den Genuss derselben Vorzüge wie flexible Arbeitszeiten und Leistungskomponenten für mehr Lohn», führt Walter Bühler weiter aus.

Portraet Walter Buehler

Walter Bühler, der Ausbildungsverantwortliche für die Informatik-Lernenden bei GIA, unterstützte die China-Expedition von Beginn an.

«Die Geschäftsleitung und das gesamte Unternehmen messen den Lernenden seit Jahrzehnten einen sehr hohen Stellenwert bei.»
Walter Bühler, Ausbildungsverantwortlicher GIA Informatik AG

Arbeiten in China – für die Lernenden der GIA Informatik wird ein Traum Realität

Leonie Born: «Im Vorfeld der China-Expedition wählten wir aus einer Checkliste aus, welche Projektthemen uns interessieren, und sendeten ein Motivationsschreiben und unseren Lebenslauf ein.» Am 29. Juli 2018 flogen Leonie Born und Janik Müller – zusammen mit einem Lehrer und fünf weiteren Lernenden – nach China und begannen am 30. Juli mit ihrem dreiwöchigen Praktikum beim internationalen Programmiernetzwerk Coderbunker in Shanghai

Coderbunker

Bei Coderbunker nahmen Leonie Born und Janik Müller am ersten Arbeitstag an einer Projektinstruktion teil.

Janik Müller: «Leonie und ich arbeiteten in Zusammenhang mit Raspberry Pi, Webseiten und einer Android-App an einem Kiosk-Mode. Konkret stellten wir sicher, dass sich Besucher einer Verkaufsstelle nicht über ein öffentlich zugängliches Tablet oder Raspberry Pi in das System einschleusen können, sondern blockiert werden. Der Zugriff wird erst durch die Eingabe eines spezifischen Codes gewährt.»

Unterricht Shanghai

Im Chinesisch-Unterricht lernten Leonie Born und Janik Müller die wichtigsten Begriffe für das tägliche Leben.

Leben im Land des Lächelns

Mit ihren Arbeitskolleginnen und -kollegen sprachen sie Englisch – manchmal verständigten sie sich auch mithilfe eines Übersetzers. An insgesamt sechs Nachmittagen nahmen Leonie Born und Janik Müller Chinesisch-Unterricht und lernten die wichtigsten Begriffe, um im Alltag – bei der Begrüssung oder bei einer Bestellung im Restaurant – zu bestehen. Die chinesische Kultur, etwa das Essen, beeindruckte die beiden Teenager sehr, aber auch die riesigen Dimensionen – der Shanghai Tower erreicht eine Höhe von 632 Metern – und die Weitläufigkeit dieser Weltstadt mit über 24 Millionen Einwohnern eroberten ihre Aufmerksamkeit. Weil die beiden GIA-Lernenden im Donghua University Hotel logierten, das zwei Metrostationen vom Arbeitsort entfernt lag, unternahmen sie am Wochenende Ausflüge in die nähere Umgebung von Shanghai, etwa nach Hangzhou in der Provinz Zhejiang mit dem Lingyin-Tempel, einem zen-buddhistischen Kloster. In der Nähe paddelten sie auch mit einem Boot auf dem West Lake umher, einem der berühmtesten Tourismusmagnete von China, dessen Kulturlandschaft seit 2011 als UNESCO-Welterbe gelistet ist.

«GIA Informatik engagiert sich sehr in der Ausbildung und sorgt selber für IT-Nachwuchs.»
Walter Bühler, Ausbildungsverantwortlicher GIA Informatik AG

Essen in Shanghai

Das Essen in China beeindruckte die beiden Lernenden: Sharing is caring.

Shanghai Tower

Leonie Born und Janik Müller zuoberst auf dem Shanghai Tower. Dieser ist derzeit das dritthöchste Gebäude und verfügt über den schnellsten Aufzug der Welt.

Hangzhou West Lake

Der Ausflug nach Hangzhou zum West Lake brachte den beiden Lernenden die chinesische Kultur näher.

Janik Müller: «Ob Essen, Kleider oder Taxi – in China ist das Handy das meistgebrauchte Zahlungsmittel. Alles bestellt man mittels einer App.» Da die Regierung in Peking eine digitale Brandschutzmauer, die Great Firewall errichtet hat, ist es den Bürgern verunmöglicht, zu googeln, twittern, WhatsApp und Social Media zu nutzen oder eine ausländische Online-Zeitung zu lesen. «Während unseres Aufenthalts nutzten wir das Virtual Private Network (VPN). Wir luden die Software eines VPN-Betreibers herunter, damit wir mit einem Server ausserhalb Chinas verbunden wurden, und gelangten von dort ins weltweite Internet», erklären Janik Müller und Leonie Born unisono. Damit sie sich mit ihren chinesischen Kolleginnen und Kollegen austauschen konnten, nutzten sie das meistgebrauchte Kommunikationsmittel: WeChat, die chinesische Variante von WhatsApp.

Shanghai Skyline

Die berühmte Skyline von Shanghai heisst «The Bund».

«Es ist unser erklärtes Ziel, dass die Auszubildenden nach erfolgreichem Lehrabschluss im Unternehmen bleiben.»
Walter Bühler, Ausbildungsverantwortlicher GIA Informatik AG

Abends besuchten die GIA-Lernenden in Shanghai unter anderem die Nanjing Road, eine der grössten Einkaufsmeilen der Welt.

Gruppe

Nach der Präsentation des Projekts in Xinchejian (Hackerspace) erfolgte die Zertifikatsübergabe.

Eine einmalige Erfahrung, die ihr Leben bereichert

Zurück in der Schweiz schauen die beiden Lernenden mit vielen positiven Gefühlen auf ihre China-Expedition zurück. «Das Reisen ohne Eltern, die Umstellung auf eine unbekannte Kultur, ein neues Arbeitsumfeld – der Mehrwert ist enorm gross. Ich fühle mich nun selbstständiger und komme bei der Arbeit mehr aus mir heraus», sagt Leonie Born. Janik Müller bekräftigt: «Wenn andere Lernende diese Möglichkeit erhalten, gebe ich ihnen den Tipp, diese Chance zu 100 Prozent zu ergreifen.» Deshalb stellt GIA Informatik in Zukunft weiteren Lernenden nicht im Weg, wenn sie ein solches Ausland-Praktikum absolvieren wollen. «Wir unterstützen solche Bestrebungen auf jeden Fall. Dieser Pilotversuch gestaltete sich sehr erfreulich – für die Lernenden und für uns. Deshalb stehen wir einer Weiterführung dieses Experimentes positiv gegenüber», stützt Walter Bühler die Aussage seines Mitarbeitenden.

«Wir stehen einer Weiterführung eines Auslandpraktikums positiv gegenüber.»
Walter Bühler, Ausbildungsverantwortlicher GIA Informatik AG

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