Das IT-Unternehmen GIA Informatik AG setzt auf Agilität – und feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen

CEO Peter Merz weiss, wie es mit seinen innovativen Mitarbeitenden ein USP schuf und dem permanenten Wandel in der Branche begegnet.

Sieben Jahre alt war die Tochterfirma des in der grafischen Industrie weltweit führenden Müller-Martini-Konzerns, als sie als erstes Schweizer Informationstechnologie-Unternehmen auf die ERP-Software SAP setzte. Ein Entscheid mit Weitblick, wie sich in den nächsten Dekaden herausstellte. Denn immer mehr Firmen verwenden eine standardisierte ERP-Software als zentrales Steuerungssystem für die Unternehmensprozesse. Dank Cloud-Computing eröffnen sich KMU auch in diesem Bereich vielfältige Chancen.

Peter Merz, die GIA Informatik AG jubiliert. Sie wird 30 Jahre alt. Was hat sich in diesen drei Jahrzehnten am meisten verändert?

Alles! Noch nie in der Geschichte der Menschheit haben wir derart viele Veränderungen erlebt wie in den letzten 20 bis 30 Jahren. Und wir stecken gerade mitten im grössten Veränderungsprozess, der vierten industriellen Revolution. Geschäftsmodelle wandeln sich, zum Teil sogar radikal. Dadurch entstehen für uns und unsere Kunden neue Situationen, die ganz andere Möglichkeiten als bisher eröffnen.

Welche dieser Veränderungen hat Ihre Organisation am meisten geprägt?

Vor 30 Jahren war einer unserer Schwerpunkte die Entwicklung von ERP-Software. Rechtzeitig gaben wir diese Tätigkeit auf und gingen eine Partnerschaft mit dem globalen Softwareanbieter SAP ein. Diesen Entscheid bereuen wir bis heute nicht.

Foto Peter Merz Meeting

Peter Merz ist seit 20 Jahren CEO der GIA Informatik AG.
Bildquelle: Martin Baur

Welche strategischen Entscheidungen haben sich in diesen 30 Jahren als richtig erwiesen?

Zum einen der Entscheid, dass wir sehr langjährige Partnerschaften mit global erfolgreichen Anbietern wie SAP, Microsoft und PTC auf- und ausbauen konnten. Zum anderen ein starker Fokus auf den Ausbau des Geschäftes ausserhalb unseres Mutterhauses. Als ehemalige interne IT-Organisation der Maschinen- und Anlagebauerin Müller Martini AG war das nicht selbstverständlich, doch heute generieren wir dort über 70 Prozent unseres Umsatzes.

Es ist nicht einfach, in einem Business 30 Jahre zu bestehen. Welche Qualitäten und Stärken unterscheidet GIA von der Konkurrenz?

Unser Alleinstellungsmerkmal – und darauf sind wir besonders stolz – ist unser Portfolio. Wir investierten viel in unsere topmoderne Infrastruktur und schufen damit die solide, verlässliche Grundlage, um Anwendungen zu prozessieren und Daten sicher zu speichern. Mit unserem ERP-Angebot führen Organisationen ihre Geschäfte durch: vom Verkauf über Produktion bis zur Finanzbuchhaltung. Überdies bauen wir Lösungen für unsere KMU-Kunden, die sie für die Produktentwicklung benützen, um innovativ zu sein.

Wie beschreiben Sie Ihre Unternehmens- und Wertekultur?

Das IT-Geschäft ist und bleibt ein People Business, denn ein erfolgreiches IT-Projekt wird immer «von Mensch zu Mensch» durchgeführt. Der entscheidende Punkt ist also, wie wir miteinander umgehen. Wir legen deshalb grossen Wert darauf, dass wir ein fairer, kompetenter und jederzeit verlässlicher Partner sind – für unsere Kunden, Mitarbeitenden, Lieferanten und unseren Eigentümer. Daneben legen wir den Fokus auf eine hohe Datensicherheit.

Langjährige Mitarbeitende sind in Ihrer Organisation keine Seltenheit. Warum halten Ihnen diese Leute die Treue?

Es gibt sogar Mitarbeitende, die seit der Gründung bei uns arbeiten. Ich denke, das hat mit der Art und Weise zu tun, wie wir miteinander umgehen. Zudem legen wir ein Augenmerk auf ein Arbeitsklima, das von gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist. Mitarbeitende fühlen sich bei uns wohl, können ihre Leistung erbringen und sich entfalten. Und trotz des permanenten Wandels sind wir in der Lage, ihnen einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten, sodass sie sich fachlich und persönlich weiterentwickeln können.

 

Foto Peter Merz GIA

Der Hauptsitz der GIA Informatik AG mit ihren 150 Mitarbeitenden befindet sich in Oftringen.
Bildquelle: Martin Baur

Wie fördern Sie Lernende?

Wir bilden seit gut 20 Jahren Lernende aus. Jedes Jahr absolvieren drei Lernende eine vierjährige Informatik-Lehre und alle drei Jahre einer eine KV-Lehre – insgesamt sind es also 13. Wir erachten dies als Beitrag an unsere Gesellschaft. Zudem wirken wir auf diese Weise dem Fachkräftemangel in der Informatik entgegen. Viele Lernende bleiben nach der Lehrabschlussprüfung im Betrieb oder kehren nach Wanderjahren in die Organisation zurück.

Stichwort Cyberattacken: Was tragen Sie zur Datensicherheit bei Organisationen bei?

Cyberattacken sind tatsächlich eine akute Bedrohung. Wir unternehmen alles, was in unserer Branche möglich ist und schützen unsere Kunden mit Technologien. Ein entscheidender Faktor ist der Mensch. Deshalb schulen wir unsere Mitarbeitenden und sensibilisieren sie, welch wichtiges Gut sie für unsere Kunden verarbeiten. Sie sollen auf alle Arten von Attacken richtig reagieren. Gemeinsam mit unseren Kunden schulen wir auch deren Mitarbeitende, denn auch dort stehen diese im Fokus von Phishing oder Social-Engineering-Angriffen.

«Wir begrüssen es, dass Microsoft und Google Datacenter in der Schweiz eröffnen.»
Peter Merz, CEO GIA Informatik AG

Im Frühjahr wurde bekannt, dass Microsoft und Google 2019 Datacenter in der Schweiz eröffnen. Wie bleiben Sie gegenüber diesen Grossunternehmen die erste Adresse für IT-Fachkräfte?

Wir begrüssen es, dass diese beiden globalen Player in die Schweiz kommen. Unsere Stärke bleibt die Flexibilität als Organisation. Auch wir haben Abläufe, die nach ISO 20 000 und ISO 27 001 zertifiziert sind. Dies gibt unseren Kunden die Gewähr, dass wir die Prozesse stets gleich abwickeln. Auf der anderen Seite ist von ihnen Flexibilität gefordert. Diese ist Teil unserer Innovationskraft und ein differenzierendes Charakteristikum, das uns erfolgreich macht.

Die GIA Informatik AG ist eine wichtige Systempartnerin von SAP in der Schweiz. Inwiefern ist SAP auch für KMU die richtige Lösung?

Wir glauben, dass SAP schon lange die richtige Lösung für KMU ist. SAP schafft es seit über 40 Jahren, eine ERP-Lösung anzubieten, die von der Technologie her immer zeitgemäss ist und voll integriert alle Geschäftsabläufe abdeckt. Auf den ersten Blick erscheint SAP oft etwas komplex, ist aber vor allem konsequent. Mit unserem Branchentemplate «gia//fertigung» haben wir rund 150 Prozesse für die Industrie «end-to-end» so eingestellt, dass sie die Kunden «out-of-the-box» anwenden können.

Sprechen wir über Cloud Computing, IoT, Big Data: Einerseits bieten sie immense Möglichkeiten. Anderseits verschärfen sich die Datenschutzrichtlinien. Ist dies für Sie eine Chance oder eher ein Hemmnis?

Wir bauen auf den Chancen auf, sage ich als positiv denkender Mensch. Von Megabyte bis Petabyte kennen wir uns aus, aber mit Exabyte und Zettabyte kommen Datenmengen auf uns zu, bei denen heute noch das Vorstellungsvermögen fehlt. Diese Daten effizient zu verarbeiten, ist eine Herausforderung, die wir meistern werden.

Cloud Computing eröffnet neue Möglichkeiten, Software zu konsumieren. Die Integration der Daten aus den verschiedenen Clouds wird uns künftig beschäftigen. Und IoT bringt neben einem enormen Datenvolumen vor allem die Herausforderung, die richtigen Schlüsse aus der Datenmenge zu ziehen. So entstehen viele neue Chancen.

Die Politik hat Mühe, um der neuen technologischen Entwicklung nachzukommen. Nach wie vor herrscht grosse Unsicherheit, wie zum Beispiel die EU-Datenschutzverordnung umgesetzt wird.

Foto Peter Merz auf dem Dach

CEO Peter Merz legt grossen Wert darauf, dass GIA ein fairer, kompetenter und jederzeit verlässlicher Partner ist.
Bildquelle: Martin Baur

Im Zuge der Digitalisierung werden Cloud-Dienstleistungen immer stärker nachgefragt, auch von KMU. Welche Schritte sind für diese wichtig, um die richtige IT-Lösung zu finden?

Die Cloud fasst definitiv Fuss bei uns. Jedes KMU stellt sich spätestens bei der Erneuerung der Infrastruktur die Frage: Will ich in eine eigene Umgebung investieren oder beziehe ich diese Leistung als Service? Immer mehr Organisationen entscheiden sich für Letzteres. In der Evaluations- oder Salesphase geht es vor allem darum, das Vertrauen zueinander aufzubauen. Trotz vieler harter Facts entscheidet meistens das Bauchgefühl und die Sympathie, ob dieses zarte Pflänzchen des Vertrauens wachsen darf oder nicht.

Die digitale Transformation ist allgegenwärtig – oder täuschen wir uns? Wie beurteilen Sie die «digitale Fitness» von Schweizer KMU?

Das ist eine schwierige Frage. Mittlerweile ist Digitalisierung bald auf dem Weg zu einem Unwort. Aber sie beschäftigt mich natürlich intensiv – und das nicht nur während meiner kürzlich erfolgten Ausbildung zum Transformation Coach. Schauen wir zurück: Die letzten Jahrzehnte waren durch Automatisierung von maschinellen Abläufen geprägt. Was wir jetzt digitale Transformation nennen, ist – aus meiner Sicht – nichts anderes, als die Automatisierung von administrativen Abläufen. Deshalb ist dies keine Revolution, sondern eher eine Evolution. Revolutionär sind jedoch die Werkzeuge, die wir zur Verfügung haben, wie etwa massiv höhere Computerleistungen oder Cloud Services und die dadurch entstehende Veränderungsgeschwindigkeit.

Sie sind selber an vorderster Front aktiv bei der Kooperation «dig:it now». Inwiefern hilft sie Organisationen bei der digitalen Transformation?

Diese Kooperation unterstützt mit einer Methodik Organisationen, die sich weiter digitalisieren wollen, aber nicht genau wissen wie. Die Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelte einen Ansatz, um herauszufinden, wo das grösste Potenzial einer Organisation steckt. Wir nennen dies «Heat Map». Dort, wo der Druck am grössten ist, gehen wir in die Tiefe. Das Modell ist KMU-tauglich, wissenschaftlich korrekt, aber nicht ganz so umfassend wie Transformationsmodelle von internationalen Unternehmensberatungen.

Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Wir haben nach wie vor die Absicht zu wachsen, stärker als der Markt. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir in dem Segment, in dem wir uns etabliert haben, ein agiler Partner für unsere Kunden bleiben – fair und kompetent.

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30 Jahre GIA Informatik AG

Seit bald 20 Jahren ist Peter Merz (59) Geschäftsführer der GIA Informatik AG in Oftringen. Der ETH-Ingenieur begann seine berufliche Karriere als Unternehmensberater und Industrieplaner. 1990 wechselte er als Verkaufsleiter zur OWL AG Logistik-Systeme (heute Swisslog). Einige Zeit später wurde er dort Leiter Beratung sowie stellvertretender Geschäftsführer und baute den asiatischen Markt auf. Fairness gegenüber den Kunden und Mitarbeitenden, Toleranz und ein Bekenntnis zu Leistung sind für Peter Merz seit jeher prägende Werte.

Die GIA Informatik AG bietet Informatik-Dienstleistungen mit Kernkompetenzen im Erarbeiten und Betreiben von Lösungen aus einer Hand in den Bereichen ERP (SAP-Partner), IT-Services mit eigener Cloud-Infrastruktur und Produktentwicklung (PTC-Partner). Das Unternehmen mit 150 Mitarbeitenden ist eine Tochterfirma des weltweit tätigen Müller-Martini-Konzerns.

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