2012 umfasste sie drei Gesellschaften, inzwischen wuchs sie auf sechs Geschäftseinheiten an

Die Afag Gruppe mit Sitz in Hergiswil ist ein traditionsreiches mittelständisches Industrieunternehmen, das Komponenten für die Automatisierung von Produktionsanlagen herstellt. Durch das Wachstum entstanden hohe Anforderungen an die IT – insbesondere durch den Aufbau der Geschäftsbereiche in China und den USA. Um dem globalen Aspekt Rechnung zu tragen, entschied sich die Afag Gruppe für ein IT-Outsourcing durch die GIA Informatik AG in Oftringen. Im Interview erklärt CFO Benno Blum die Strategie und die Weiterentwicklung in der IT.

Um die Digitalisierung strategisch und umfassend anzupacken, baute die Afag Gruppe eine eigenständige Digitalisierungsgruppe auf, die sich um die zukünftige Ausrichtung kümmert. Leiter des Ausschusses ist CFO Benno Blum. Wesentliche Fragen lauten: Wie können wir unser Wissen auf die weltweiten Standorte verteilen? Wie kommen die Produktdaten zum Kunden? Wie kann die Afag Gruppe interne Verknüpfungen und Schnittstellen legen, um die Abläufe schneller zu machen und die Informationsflüsse zu verbessern? Wie muss die Datenarchitektur aussehen, damit die Organisation in der digitalen Welt besteht?

«Mit eigenen Mitarbeitenden in der Informatik zu arbeiten ist für uns viel zu teuer.»
Benno Blum, CFO Afag Gruppe

Herr Blum, welche strategischen Ziele peilen Sie mit dem IT-Outsourcing an?

Wir entschieden uns, nur eine kleine eigene dezentrale IT-Abteilung aufzubauen. Im Markt gibt es spezialisierte IT-Unternehmen, die sich effizienter um Netzwerke, Datensicherheit oder Standortvernetzung kümmern. Aus diesem Grund war es uns wichtig, auf einen zuverlässigen Partner zu zählen, der unsere Netzwerke, die Firewall und alle zentralen IT-Services betreibt, damit wir unsere Daten ablegen können. Wir selber kümmern uns um die Kernprozesse und die Software – alles Weitere lagerten wir an die GIA Informatik AG in Oftringen aus. Ausser ein paar sehr grossen Dateien verschoben wir alles in die Datacenter bei GIA. In den Projekten der Digitalisierung testen wir auch andere Formen der Datenhaltung.

Warum lagerten Sie Ihre Daten aus und speicherten sie in der Cloud ab?

GIA verfügt über eine vernünftige Grösse und stellt die entsprechenden Strukturen bereit. Sie gehört nicht zu den ganz grossen Providern, bei denen wir ein kleiner Kunde wären. GIA passt ausgezeichnet zu unserer Firmenphilosophie, weswegen wir gut harmonieren: Zwar decken auch andere Firmen die Kommunikation und eine gute Projektleitung ab. Aber in den Gesprächen zeigte sich GIA von ihrer zuverlässigen Seite und punktete mit ihrer geografischen Nähe.

Portraet Benno Blum

Benno Blum, CFO Afag Gruppe

War es schwierig, den Entscheid fürs IT-Outsourcing gegenüber der GL und dem Management als businessentscheidend zu verkaufen?

Nein. Die Fragestellung lautete: Bauen wir firmenintern selber Fachleute auf oder kaufen wir diese IT-Dienstleistungen ein? Derzeit und in Zukunft werden Cloud-Themen noch intensiver diskutiert. Bei uns stand der Entscheid für das IT-Outsourcing schnell fest, da wir andere Kernkompetenzen haben und unsere IT-Abteilung mit je einer Fachperson in Amberg/D und Huttwil schlank halten wollen. Ansonsten müssten wir eine ganz andere Organisation aufbauen.

«Der Vorteil der Hybrid-Cloud ist der Gewinn an Flexibilität.»
Benno Blum, CFO Afag Gruppe

Welches ist der Vorteil der Hybrid-Cloud?

Wir gewinnen damit an Flexibilität und verfügen über mehr Ressourcen. Mittlerweile haben wir eine Denkweise wie bei der Amazon-Datenbank: Wenn wir mehr Leistungen benötigen, fahren wir sie hoch. Wenn nicht, dezimieren wir sie wieder. Heutzutage steht die Geschwindigkeit im Zentrum.

GIA betreut Sie auch im SAP-Umfeld. Weshalb entschieden Sie sich für diesen ERP-Partner?

Aufgrund des Verkaufs aus der Feintool in die Schaeff Gruppe benötigten wir einen neuen IT-Partner. Für GIA sprach die Kompetenz der Consultants. Besonders gefallen mir die hervorragenden SAP-Beratungen in der Prozessunterstützung. Den Wechsel auf die In-Memory-Datenbank HANA und SAP S/4HANA vollzogen wir bewusst noch nicht, da dies für mein Gefühl noch etwas zu früh ist. Dieses Projekt starten wir 2022. Ich bin davon überzeugt, dass sich SAP in dieser Zeit stark weiterentwickeln wird. Die Einführung nehmen wir wahrscheinlich im Greenfield-Approach vor. Dies darum, weil wir einige Altlasten aus dem SAP System loswerden möchten.

Wieso arbeiten Sie mit SAP?

Dort, wo es uns sinnvoll erscheint, setzen wir auf SAP. Unsere Mitarbeitenden sind sich die Handhabung gewohnt, und da das System sehr stabil und zuverlässig läuft, wollen wir nicht davon wegkommen. In den Bereichen, in denen SAP nicht so stark ist, verfügen wir über andere Produkte. Beim CRM arbeiten wir etwa mit Salesforce.

Haben Sie eine Kosten-Nutzen-Rechnung in Sachen IT-Outsourcing angestellt?

Nein. Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung neuer Produkte und Märkte in Nordamerika und Asien. Der Unterhalt und den Basisbetrieb der IT-Systeme verlagerten wir bewusst zu unseren Partnern, die in diesem Bereich effizienter und kompetenter unterwegs sind. Die Kosten prüfen wir jederzeit über einen Drittvergleich am Markt.

Wie hat sich in den vergangenen Jahren Ihr IT-Budget entwickelt?

Es entwickelt sich nur in eine Richtung: Es steigt. In der digitalen Welt vereinfachen und automatisieren wir unsere Prozesse weiter. Hinzu kommen immer mehr neue Softwareprodukte und -dienste. Bedingt durch die Integration und Vernetzung unserer Standorte steigen die Kosten weiter an. Die zusätzlichen Kosten sollten entweder einen direkten Kundennutzen bewirken oder unsere Mitarbeitenden in ihrer täglichen Arbeit entlasten.

Gibt es sonst IT-Vorhaben, die Sie bald realisieren möchten?

Ja, gleich mehrere. Derzeit läuft in Hardt/D ein SAP-Rollout. Ein weiteres Vorhaben beschäftigt sich mit den Seriennummern und der mobilen Logistik. Im Bereich Business Intelligence führen wir in diesem Herbst ein Proof of Concept durch. Das Projekt beinhaltet, unsere Daten weltweit zu harmonisieren und die vielen Excel-Auswertungen, die als kleines Unternehmen noch möglich waren, global zu vereinheitlichen. Ferner bestehen mehrere Projekte zu Produktdaten – beispielsweise: wie erhalten unsere Kunden Produktdaten? –, zur Datenarchitektur und zu Produktkonfigurationen.

An welchem Punkt steht Ihr Unternehmen in Sachen digitale Transformation?

Ganz am Anfang. Mit den verschiedenen Proofs of Concept versuchen wir unsere Mitarbeitenden für die Industrie 4.0 zu sensibilisieren. Schlussendlich ist dies ein Change-Prozess, bei dem wir kontinuierlich dazulernen müssen. Es ist wichtig, nun damit zu starten und unsere Mitarbeitenden auf diesem Weg zu begleiten.

«Für uns wird die Maschinenkommunikation – in Kombination mit Big Data – in Zukunft eine grosse Herausforderung sein.»
Benno Blum, CFO Afag Gruppe

Welche technologische Entwicklung kann in Ihrem Geschäftsbereich wichtig werden?

Für uns wird die Maschinenkommunikation – vermutlich in Kombination mit Big Data – in Zukunft eine grosse Herausforderung darstellen. Unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung arbeitet an intelligenten Produkten. In diese bauen wir kleine Prozessoren und Sensoren ein, um Rückmeldungen zu geben. Deren Daten sammeln wir und fällen darauf gestützt wichtige Entscheidungen, die unsere Produkte verbessern oder Serviceeinsätze auslösen. Des Weiteren gelang es uns, uns bei einem Forschungsprojekt der Europäischen Union (Horizont 2020) zu beteiligen: Das Projekt «OpenMos» befindet sich an der Vorfront der europäischen Automationsindustrie. Es setzt sich zum Ziel, offene digitale Industrieplattformen zur Vernetzung von Automationskompetenten zu schaffen.

Welches ist Ihr persönliches IT-Produkt?

Ich bringe viel Controlling-Erfahrung mit und arbeitete immer mit SAP. Deshalb liegt es mir am Herzen. Einem Unternehmen hilft es, seine Prozesse zu standardisieren und zu verbessern. Wir bei der Afag setzen auf die Stärken von SAP – wie etwa die Informationsdichte – und docken wo nötig weitere Softwarelösungen an.

Faktenbox zum Outsourcing-Projekt GIA Informatik AG und Afag Gruppe:

Ziel:

  • Eine neue kompetente Providerlösung suchen
  • Flexibel bleiben und das IT-Wissen nicht intern aufbauen müssen

Zeitachse:

  • Herbst 2011 bis Mai 2012: Umsetzung und Prozess IT-Outsourcing
  • Mai 2012: Übernahme IT-Outsourcing-Services, Go-Live

Personeller Aufwand bei Afag:

  • Sechs Personen mit Projektarbeit beschäftigt

Erreichte Ziele:

  • Alle Ziele wurden erfüllt
  • Hohe Zufriedenheit der Afag Gruppe

Über die Afag Gruppe

Die Afag Gruppe mit Sitz in Huttwil ist eine internationale Spezialistin für hochwertige Automatisierungskomponenten, Teilsysteme und Dienstleistungen. Als führende Anbieterin entwickelt und produziert Afag seit über 60 Jahren Komponenten für die Montageautomation in den Bereichen Zuführen, Handhaben und Transportieren. Afag hat es sich zum Ziel gesetzt, mit modernsten Technologien und innovativen Lösungen den hohen Ansprüchen der weltweiten Automationsindustrie gerecht zu werden. Seit fünf Jahren arbeitet die Afag Gruppe stark mit ihren vier Kernwerten Bewegung, Verantwortung, Partnerschaft und Einfachheit.

In den Niederlassungen in der Schweiz, in Deutschland, China und den USA beschäftigt die Organisation rund 300 Mitarbeitende. Dort entstehen Lösungen, die in allen produzierenden Branchen zum Einsatz kommen. Von Automotive über Konsumgüter, Lebensmittel, Maschinen, Medizin, Pharma und Kosmetik bis zur Uhrenindustrie. Dank Vertriebspartnern in über 30 Ländern geniessen die Afag Kunden weltweit professionelle Beratung, Planung und Service.

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