Franck Bouchoux, unser Mann an der Spitze des Feldes. Er kann beides: IT-Projekte leiten und mit seinem Mountainbike nach mehreren Tausend Höhenmetern phänomenale Bergwelten erklimmen. Er sieht Parallelen in der Mitarbeiterführung und im Change- und Risikomanagement.

Franck Bouchoux Grand Raid

Franck Bouchoux, Leiter Cloud Transition Team GIA Informatik AG, absolvierte das berühmteste Mountainbike-Rennen Europas, das Grand Raid BCVS. Er befindet sich auf 2800 Metern über Meer auf dem anforderungsreichen Pas de Lona.

Franck Bouchoux, Sie sind Leiter des Cloud Transition Teams und führen mannigfaltige Projekte. Welche Themen gehören zu Ihren Aufgaben beim IT-Unternehmen GIA Informatik AG?

Ich bin für die Ausbildungs-, Kapazitäts- und Ressourcenplanung meines Teams verantwortlich. Dazu gehört viel Coaching und Skills-Management für die Personalentwicklung. Als Teamleader und Consultant koordiniere ich anspruchsvolle Anfragen und verbessere die Abläufe der Projekte. Überdies integriere ich neue Business Services von der Konzeption bis zur Betriebsphase. Ferner steuere ich die Security-Integration nach der ISO-Zertifizierung 27001.

«Beim Sport muss ich stets alle meine Ressourcen abrufen, um das Ziel zu erreichen – wie bei einem Projekt bei der GIA Informatik AG.»
Franck Bouchoux, Leiter Cloud Transition Team GIA Informatik AG

Sie sind ein begeisterter Mountainbiker – insbesondere Langstreckenrennen haben es Ihnen angetan. Woher nehmen Sie die Motivation dazu?

Wie im Beruf erlebe ich bei meinem Hobby vielerlei Turbulentes. Ich möchte Grossartiges erreichen: Einfache Aufgaben sind mir schnell ein Graus, gleichzusetzen mit einem Sprint auf dem Bike. Hingegen stellen sich bei einem Langstreckenrennen ganz andere, grössere Herausforderungen. Hier muss ich stets alle meine Ressourcen abrufen, um das Ziel zu erreichen – wie bei einem Projekt bei meinem Arbeitgeber GIA Informatik. Komplexe Aufgaben und Situationen bewegen die Zufriedenheitsrate auf eine höhere Metaebene, wenn die Etappe von Erfolg gekrönt wurde.

Grand Raid BCVS

Geschafft! Franck Bouchoux nach über neun Stunden Strapazen am Ziel des Grand Raid BCVS.

Worin bestehen die Schwierigkeiten?

Beim Mountainbike-Sport bestehen zwei Herausforderungen: die Länge der Strecke und der hohe Anspruch an die Fahrtechnik. Ich mag die Kombination von beidem. Dies erkläre ich am Beispiel des Grand Raid BCVS im Wallis, des wichtigsten Mountainbike-Events in ganz Europa. Worin liegt der Reiz? Es sind 90 Kilometer und 4000 Höhenmeter an einem einzigen Tag zu bewältigen. Eine fast unvorstellbar lange Distanz. Als Dank bekomme ich ein Naturschauspiel in einer wunderschönen Landschaft vorgesetzt – wie Hugo Gschwend auf seinem Segelboot auf hoher See. Und dies auf einer Strecke, die mir punkto Ausdauer und Geschicklichkeit schlicht alles abverlangt.

Franck Bouchoux Marathon

Unterwegs am Nummer-1-Mountainbike-Rennen der Welt am Roc d’Azur in Frankreich. Franck Bouchoux ist auf fast alles vorbereitet und trägt in seiner Ausrüstung Ersatzteile mit sich.

Im Beruf erfüllt es mich nicht, wenn ich nur 0815-Aufgaben standardmässig abspulen soll. Zusammen mit meinem Team will ich die Kunden meines Arbeitgebers begeistern und für sie die Extrameile gehen – wie auf dem Rad, wenn ich müde bin und trotzdem ins Ziel fahre. Ja, selbst wenn das Thema ausserordentlich kompliziert ist und die zeitliche Herausforderung eine schier unüberwindbare Hürde darstellt. Insbesondere denke ich an das IT-Outsourcing-Projekt für die Möbel Pfister AG, bei dem ich einen Arbeitskollegen ersetzen durfte. Die Zeit war knapp; umso schöner fühlte es sich an, alle motivieren zu dürfen, um auf unser gemeinsames Ziel zuzusteuern, einen weiteren Kunden zufriedenzustellen.

«Auf die Organisation richte ich ein verstärktes Augenmerk.»
Franck Bouchoux, Leiter Cloud Transition Team GIA Informatik AG

Wann sind Sie auf die richtige Spur gekommen?

Der Sport übt schon seit jeher eine grosse Faszination aus; er hat einen hohen Stellenwert in meinem Leben. Egal ob mit dem Tennisracket hantieren, mit dem Griff am Rennvelolenker den Berg hochfahren, den Badminton-Shuttle auf die andere Netzseite jagen oder den Golfschläger schwingen. Eines meiner ersten Rennen im Alter von 20 Jahren war die Megavalanche de l’Alpe d’Huez in Frankreich, einer der weltweit berühmtesten Mountainbike-Events in der Geschichte. Es geht satte 50 Kilometer in die Tiefe, und der Start findet auf dem Gletscher unterhalb des Pic Blanc auf 3350 Metern über Meer statt. Mich hat der Nervenkitzel und der damit verbundene Adrenalinschub vollkommen gepackt und nie mehr losgelassen. Ich habe die Anstrengungen im Radsport in den letzten Jahren sogar intensiviert, um mich immer mehr zu fordern und neue Höhenflüge zu erleben – ähnlich wie Hanspeter Roos als Pilot. Natürlich ist es wunderschön und zugleich anstrengend, einen solchen Ausgleich zum anforderungsreichen Beruf zu haben.

Spass muss immer sein

Am Grand Raid BCVS oder als Leiter Cloud Transition Team: Franck Bouchoux ist immer voll auf Kurs und in Aktion.

Wie ist der Rennverlauf?

Hier sehe ich eine klare Parallele zum Projektmanagement und zur akribischen Marathon-Vorbereitung von Martin Ryser.

Das gesetzte Ziel muss klar, realistisch und messbar sein.

Ebenfalls lege ich den Zeitpunkt fest, wann ich es erreichen will.

Die Trainingsfrequenz entscheide ich von Fall zu Fall.

Was folgt, ist die Umsetzung: das harte Training.

Die auserwählte Strecke gilt es zu kennen. Deshalb ist eine Probefahrt von Vorteil.

Das Material und dessen ideale Abstimmung stelle ich ins Zentrum. Hier zählt jedes Detail.

Auf die Organisation richte ich ein verstärktes Augenmerk. Insbesondere die Logistik muss ich gut vorbereiten.

Am Tag, an dem es zählt, gilt die Devise: Das Ziel erreichen. Schliesslich muss man die Chancen nützen, wenn sie sich einem bieten.

Das Rennen selber erachte ich als wichtige Standortbestimmung für mich selber. Vergleichbar mit einer Migration oder einer Umstellung in meinem Unternehmen.

Mein Energiepegel muss hoch sein.

Den materialtechnischen Feinschliff setze ich fast zum Schluss an. Das Rad und die Zusatzteile sollen ganz bleiben, sodass nie ein Grund zur Aufgabe besteht. Ich pflege die Devise zu leben: Kein Sturz, kein falscher Klick und keine falsche Entscheidung in der Umstellung.

Die Kräfte richtig einteilen, sich und seinen Körper exakt kennen – dem kommt beim Mountainbiken eine besondere Bedeutung zu.

Überdies spielt der Faktor Motivation eine bedeutende Rolle in meinem Leben – im Beruf wie im Sport. Beim Bergrennen Grand Raid BCVS im Jahr 2016 erklomm ich die Aufstiege mit einer grossen Lust, da ich mich bei den Abfahrten mental vorbereitete.

Es passieren allerdings auch unvorhergesehene Dinge – wie bei der Projektführung. Bei der zehn Kilometer langen Talfahrt direkt in Zielnähe war es nämlich um mich geschehen. Ich fand es schwierig, die Konzentration aufrechtzuerhalten. Deshalb hielt ich mich ein wenig zurück und achtete nach acht Stunden kräftezehrenden in die Pedale Tretens auf mich und meinen Körper, um geistig fit zu bleiben und keine unnötigen Risiken einzugehen.

«Ich überlebte nur, weil mir die Überzeugung inne ist, dieses Rennen in der vorgegebenen Zeit zu schaffen.»
Franck Bouchoux, Leiter Cloud Transition Team GIA Informatik AG

Wie haben Sie das härteste Bergrennen, das Grand Raid BCVS, körperlich erlebt?

Ehrlich: Derart grosse Strapazen zu erleben, derart viel Schweiss zu vergiessen – das braucht den ganzen Körpereinsatz und eine mentale Härte, die für mich einzigartig ist. Ich überlebte nur, weil mir die Überzeugung inne ist, dieses Rennen in der vorgegebenen Zeit zu schaffen. Derart viele Höhenmeter absolvierte ich noch nie in meinem Leben! Zwar erkannte ich zwei Monate zuvor, dass der Parcours in zwei Tagen knapp bewältigbar ist und meine Kraft immerhin bis zum zweiten Tag ausreichte. Deshalb setzte ich mir das Ziel, heil in Grimentz anzukommen.

«Aufgeben war nie eine Option.»
Franck Bouchoux, Leiter Cloud Transition Team GIA Informatik AG

Das Besondere: Wenn man alleine fährt, finden sich entlang der Strecke Menschen, die einen anfeuern und motivieren. Insbesondere beim Pas de Lona ist dies enorm hilfreich, wenn ich eine Strecke von über 500 Metern mit dem Bike auf meinen Schultern zurücklege – mit 70 Kilometern und 3000 Höhenmetern in den Beinen. Aufgeben war jedoch nie eine Option.

Auch dieses Jahr will ich diesen Event im Hochgebirge absolvieren; dieses Mal nicht alleine, sondern mit einem Kollegen.

Franck Bouchoux Mountainbike

Die Rennstrecke am Roc d’Azur verlangt Franck Bouchoux und seinem Mountainbike alles ab.

«Wie im Job ist auch beim Mountainbiken die Technik entscheidend.»
Franck Bouchoux, Leiter Cloud Transition Team GIA Informatik AG

Welche identischen Vorgehensweisen erkennen Sie zwischen dem Arbeiten auf hohem Niveau und dem Erklimmen von Berggipfeln mit dem Mountainbike?

Eine gute Vorbereitung ist bei beiden das A und O. Diese beginnt lange vor dem Startschuss. Das ist insbesondere bei meinem Arbeitgeber der Fall, bei dem wir derzeit eine Reorganisation durchführen. Gerade die Strategie ist entscheidend: Welche Ziele will ich erreichen? Mit welchen Mitteln? Ich fokussiere mich auf das Endergebnis. Bei Mountainbike-Rennen steht im Zentrum, beim Aufstieg nicht zu viel Kraft zu verpuffen, damit es beim talwärts Fahren richtig viel Spass macht. Ein elementarer Bestandteil meiner Vorbereitung besteht im gesund essen und trinken. Alle 10 bis 15 Minuten etwas Flüssigkeit zu sich nehmen und jede Stunde eine Mahlzeit essen ist wichtig, um während des ganzen Rennens eine Top-Leistung abzurufen. Dies ist identisch mit meinem Job. Man muss zuerst die Basisprozesse in den Griff bekommen, die Mitarbeitenden schulen und erst dann die Details angehen.

«Ideales Material, die Anzahl und Auswahl der Ersatzteile, die ausgefeilte Trainingsmethodik – überall geht es um Entscheidungsfindungen.»
Franck Bouchoux, Leiter Cloud Transition Team GIA Informatik AG

Welche Bedeutung kommt dem Teamgedanken zu?

Der gegenseitige Erfahrungsaustausch ist elementar. Wie im Job ist auch beim Mountainbiken die Technik entscheidend. Wenn einer lieber eine Fahrradschaltung von einmal zwölf Gängen bevorzugt, der andere aber zweimal elf, diskutieren wir gemeinsam und erarbeiten eine Lösung. Ideales Material, die Anzahl und Auswahl der Ersatzteile, die ausgefeilte Trainingsmethodik – überall geht es um Entscheidungsfindungen. Im Beruf ist es dasselbe: Welcher Migrationsweg ist der richtige? Wie viele Aufgaben kann jemand gleichzeitig erledigen?

Pass Porte du Soleil

Er geniesst die Schussabfahrt und sammelt Kraft für den nachfolgenden Aufstieg: Franck Bouchoux kennt beim Rennen «La Pass’Portes du Soleil» keine Grenzen.

Braucht es neue Technologien für Ihren Sport?

Dem ist so. Ich zeichne meine Touren mit einem Messgerät auf und beobachte die Werte. Puls, Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit interessieren mich besonders. Überdies achte ich darauf, welche Verbesserungen sich durch das ideale Gewicht und das mögliche Bannen der Pannengefahr durch die richtige Pneuauswahl vornehmen lassen. Oft ziehe ich einen Vergleich zu einer Chancen-Risiken-Analyse im Rahmen des Change Advisory Boards. Es geht darum, welcher Weg ideal ist, welche Methode passt und welches Risiko besteht, das unser Unternehmen gerade noch in Kauf nimmt. Was passiert hingegen, wenn sich etwas Unvorhergesehenes ereignet? Beim letzten Roc d’Azur-Rennen wäre es dringend notwendig gewesen, auch das Kettenöl mitzunehmen. Diese Lektion habe ich gelernt, so etwas darf mir nicht mehr passieren.

Roc Marathon 2018

Wunderschöne Landschaftszüge und ein Seitenblick aufs offene Meer: Die Strecke am Roc d’Azur ist eine Augenweide.

Was stellen Sie als Nächstes mit dem Bike an?

Jüngst absolvierte ich eine Miniaturausgabe des Grand Raid mit 3000 Höhenmetern über eine Distanz von 68 Kilometern. Das Ziel des Jahres bildet wiederum das Grand Raid BCVS. Diesmal will ich diese Herausforderung in unter neun Stunden meistern.

Wie sieht es beruflich aus?

Es gilt, die Effizienz der Durchlaufzeit zu steigern. Mein Ziel ist es erstens, für eine einfache Anfrage weniger als fünf Tage zu benötigen, falls die Arbeit weniger als zwei Stunden dauert. Zweitens hochstehende Cloud Services und Transition anzubieten und auf diese Weise unsere Kunden auf ihrem Weg zur digitalen Transformation zu unterstützen.

Mehr News ansehen