Er weiss, worauf es ankommt bei stressigen Situationen: René Lüscher, Geschäftsleitungsmitglied und Leiter IT-Solutions von GIA Informatik.

Wie er führen lernte, was er in seiner Freizeit macht und welche strategischen Überlegungen er anstellt, berichtet er in diesem Interview.

René Lüscher, wie lernten Sie führen?

In der Praxis über verschiedene Stufen, angefangen von der Projektleitung über kleinere Teams bis zu immer mehr Verantwortung. In der Aus- und Weiterbildung mit spezifischen Fächern und Kursen.

 

Sie sind zusammen mit einem Team von Amateurfunkern seit über 20 Jahren für die Wetterbeobachtung des Heitere Open Air in Zofingen verantwortlich. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit?

Unsere Aufgabe ist mit den Jahren stetig gewachsen. Wir sind als feste Funktion in die Organisation eingebunden und beraten das Organisationskomitee (OK) vorausschauend auf die Wetterentwicklung. Kritisch auf dem Heitere sind sogenannte Starkwetterlagen, also Gewitter und vor allem starke Winde. Das OK kennt verschiedene Krisenszenarien und definierte zielführende Reaktionen. Das Wetter ist das Szenario mit der höchsten Eintreffenswahrscheinlichkeit.

René Lüscher

René Lüscher, Geschäftsleitungsmitglied und Leiter IT-Solutions GIA Informatik AG

Wie erfahren Sie Stressmomente im Beruf?

Dank des Adrenalins kann man in Stresssituationen eine gewisse Zeit lang viel Leistung abrufen. Um sie erfolgreich zu meistern, ist vorherige Übung notwendig. Wichtig ist, nicht in Hektik zu verfallen, sondern überlegt und möglichst vorausschauend zu handeln. Dazu gehören klare Aufträge und ein strikter Terminplan. Seit Menschengedenken gibt es eine Organisation, die immer im Krisenmodus arbeitet und eine enorme Erfahrung mit solchen Situationen hat: das Militär. In Sachen Führungsrhythmus haben wir einiges vom Militär übernommen.

«Im Amateurfunk lernt man, das Umfeld richtig einzuschätzen und zu planen. Im Beruf ist es wichtig, dass man vorausdenkt und nicht kurzfristig handelt.»

René Lüscher
Geschäftsleitungsmitglied und Leiter IT-Solutions GIA Informatik AG

Welche Fähigkeiten haben Sie bei Ihrem Hobby erworben, die Sie in Ihren Beruf als GL-Mitglied bei GIA Informatik transferieren?

Im Amateurfunk kann man nicht jede Verbindung zu jeder Zeit überall hin erzwingen. Man muss lernen, das Umfeld (Ausbreitungsbedingungen) richtig einzuschätzen und zu planen. Im Beruf ist es wichtig, dass man vorausdenkt und nicht kurzfristig handelt. Ohne Planung rennt man den Aufgaben immer hinterher. Die Fähigkeit zu morsen konnte ich in meinem Beruf noch nicht anwenden.

Mobile Windmessstation auf einem Feld

Diese mobile Windmessstation stellt René Lüscher rund 20 Kilometer vom Heitere in Zofingen entfernt auf.

Inwiefern ist das Heitere Open Air und Ihr Hobby in den letzten Jahren professioneller geworden?

Wir entwickeln unsere Wetterstationen weiter. Die Datenübertragung von den Windmessstellen zur Zentrale realisierten wir das letzte Jahr erstmals über Lora (Long Range Wide Area Network), das Netzwerk, das speziell für IoT-Anwendungen aufgebaut wird. Des Weiteren können wir die Messstellen in einer eigenen App überwachen und anzeigen lassen. Unsere Prozesse optimieren wir jedes Jahr aufgrund der gemachten Erfahrungen. Das Open Air selber gestaltet sich seit der ersten Austragung im Jahr 1991 um Welten professioneller. Nicht alle Optimierungen erfolgten aus eigenem Antrieb. Es gibt viele Bestimmungen und Auflagen, die bei der Durchführung eines solchen Anlasses zu berücksichtigen sind.

Konzert Heitere Open Air

Das Heitere Open Air in Zofingen feiert 2020 seinen 30. Geburtstag.

Welche Technologien verwenden Sie und Ihr Team, um präzise Wettervorhersagen zu Blitz, Hagel und Wind für das Heitere zu prognostizieren?

Neben unseren eigenen Messstationen werden wir täglich mit einem Wetterbulletin von Meteotest versorgt. Heute gibt es auch auf den Smartphones gute Wetter-Apps.

 

Welches sind die grossen Herausforderungen bei der Wettervorhersage?
Die grösste Herausforderung ist, keine Fehlprognose abzugeben. Es reicht nicht aus, wenn wir feststellen, dass im Mittelland Gewitter angesagt sind. Wir müssen eine Prognose genau für den Standort Heitere abgeben. Wenn wir ein Gewitter ankündigen und es zieht dann dem Jura entlang vorbei, ohne dass es den Heitere trifft, haben wir keinen guten Job gemacht. Das Gleiche gilt auch umgekehrt. Wir geben Entwarnung und es trifft den Heitere – das ist eine heikle Situation, schlimmer als ein Fehlalarm.

 

Beispielsweise bewegten sich an einem Abend mehrere Gewitterzellen von Westen her durch das Mittelland direkt in unsere Richtung. Wir blieben ruhig, erkannten das Abdriften der Zellen und sprachen keine Warnung aus. Bis wir sahen, dass die letzte Zelle genau um 19 Uhr auf dem Heitere eintreffen wird. In diesem Fall waren wir mit einer Person direkt im Krisenstab des OK präsent und empfahlen, den Konzertbeginn um eine Viertelstunde zu verzögern. Dies war eine heikle Aufgabe, auch für den Stage-Manager, der dies den Künstlern unterbreiten musste. Schliesslich folgte man unseren Empfehlungen und informierte die Band und die Konzertbesucher. Um 18.58 Uhr traf das Gewitter auf dem Heitere ein. Als um 19.15 Uhr die Band auf die Bühne trat, regnete es, aber das Gewitter war vorbei. Wir erfüllten auch diese Aufgabe mit Erfolg.

Verzögerung

René Lüscher und sein Team melden eine auftauchende Gewitterfront direkt dem Organisationskomitee. Dieses informiert umgehend Band und Konzertbesucher.

Welche Aktivitäten sind im Jahr 2020 geplant, wenn das Heitere Open Air seinen 30. Geburtstag feiert?

Das Programm ist noch nicht veröffentlicht. Ob aus Anlass des Jubiläums ein paar musikalische Leckerbissen geplant sind, weiss ich nicht. Wir werden auf jeden Fall wieder die Augen offenhalten und unseren Teil zum 30. Heitere Open Air beitragen.

«Für GIA Informatik schaue ich voraus, erkenne Trends und Veränderungen und leite Massnahmen ein, um weiterhin erfolgreich unsere Position im Markt auszubauen.»

René Lüscher
Geschäftsleitungsmitglied und Leiter IT-Solutions GIA Informatik AG

Welche strategischen Überlegungen stellen Sie beruflich für die Zukunft an?

Hier gilt das Gleiche wie für das Hobby. Möglichst weit vorausschauen und Trends und Veränderungen erkennen. Danach rechtzeitig Massnahmen einleiten, um weiterhin erfolgreich unsere Position im Markt auszubauen.

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