Es ist ein grosser Meilenstein

Zum ersten Mal setzt mit der GIA Informatik AG ein IT-Dienstleister in der Schweiz eine Migration von «Creo Elements/Direct Model Manager | PTC» um. Dieses Vorzeigeprojekt ermöglicht es, dass die RONDO Burgdorf AG ihre 3D-Daten im «Windchill PDM Link» betreut. Im Interview betrachtet CTO Marc Besson diesen wichtigen Schritt aus seiner eigenen Perspektive.

«Wir legen mit diesem Rückgratsystem, dem PDM/PLM-System, das Fundament, um unsere zukünftigen Daten komplett in ‹Windchill PDM Link› ablegen, verwalten und in Zukunft Optionen und Varianten daraus generieren zu können.»
Marc Besson, CTO/Leiter Entwicklung Mechanik/Mechatronik RONDO Burgdorf AG

Marc Besson, welche strategischen Ziele verfolgen Sie mit der erstmals durchgeführten Migration?

Wir legen mit diesem Rückgratsystem, dem PDM/PLM-System, das Fundament, um unsere zukünftigen Daten komplett in «Windchill PDM Link» ablegen, verwalten und in Zukunft Optionen und Varianten daraus generieren zu können. Sie müssen wissen: Das strategische Ziel sind insgesamt drei neue Rückgratsysteme. Die Migration und Einführung von «Windchill PDM Link» bilden ein Teilprojekt; hinzu kommen das ERP-System SAP S/4HANA Cloud und das neue Datenmanagementsystem (DMS). Diese drei Systeme bilden die strategische Grundlage für die digitale Datenverwaltung.

Sie sprechen Optionen an. An welche denken Sie?

Wir haben ein Standardprodukt: eine Maximalstückliste, auch 150-Prozent-Stückliste genannt, mit allen Produktoptionen und -varianten. Daraus erzeugen wir kundenspezifische Produkte, die wir produzieren und verkaufen. Das Ziel ist es, dass der Kunde seinen digitalen Zwilling erhält – genau denjenigen in der richtigen Konfiguration, den er bestellt hat. Anhand dieses 3D-Modells kann er danach zum Beispiel seine Ersatz- und Verschleissteile rasch identifizieren und bei uns bestellen.

Welche zentralen Herausforderungen stellen sich an Sie als CTO?

Derzeit bestehen drei grosse Herausforderungen: Erstens führen wir bei der RONDO Burgdorf AG das System standortübergreifend ein. Der Prozess in Burgdorf dient dazu, Serienprodukte herzustellen. Unsere Tochterfirma in Schio/Italien migriert ihr PDM-System ab diesem Sommer in unseren «Windchill PDM Link». Dort besteht ein anderer Prozess, der sich an Engineering-To-Order orientiert. Deshalb ist es jetzt unsere Aufgabe, diese beiden Prozesse in einem System abzubilden.

«Dass VR, GL und Management hinter der Gesamterneuerung dieser drei Rückgratsysteme stehen, ist ein Muss.»
Marc Besson, CTO/Leiter Entwicklung Mechanik/Mechatronik RONDO Burgdorf AG

Zweitens: Wir haben Mitarbeitende, die sich gewohnt sind, mit den «alten» Systemen zu arbeiten. Diese müssen wir mit den neuen Umgebungen vertraut machen. Nicht nur «Windchill» ist für sie unbekannt, sondern sie bekommen mit «PTC Creo Parametric» ein neues CAD und mit dem ERP und DMS auch neue Umgebungssysteme. Dieses ganze Changemanagement fordert uns stark heraus.

Der dritte Punkt betrifft die Zeitschiene. Die drei Projekte, die ineinandergreifen, verfügen über Schnittstellen, die wir anpassen und teilweise zuerst bauen lassen müssen; insbesondere die Kontaktpunkte zwischen «Windchill» und SAP S/4HANA Cloud. Unser IT-Dienstleister GIA Informatik trägt auch in dieser Angelegenheit die Hauptverantwortung, zusammen mit einem ihrer Partner.

Team Rondo

Das Projektteam von RONDO Burgdorf AG (v.l.n.r.): Rolf Allenbach, Projektleiter Entwicklung und PLM-Superuser, Marc Besson, CTO/Leiter Mechanik/Mechatronik, und René Brechbühl, Projektleiter Entwicklung und PLM-Superuser RONDO Burgdorf AG

Wie schwierig ist es, die IT gegenüber dem Management als business-entscheidend zu verkaufen?

Dies ist insofern nicht so schwierig, da die Geschäftsleitung und das Management den Nutzen dieser neuen Systeme erkennen. Auch der gesamte Verwaltungsrat sieht darin eine grosse Chance für das Unternehmen. Dass alle hinter der Gesamterneuerung dieser drei Rückgratsysteme stehen, ist ein Muss. Wenn man plausible Erklärungen und daraus resultierend markante Vorteile für das Unternehmen vorbringt, erreicht man einiges.

Wie hat sich das IT-Budget entwickelt?

Im Bereich der Entwicklung sind die IT-Kosten geringfügig gestiegen. Gründe sind der Wechsel von Festlizenzen auf Subscriptions und der Gebrauch von Zusatztools. Dies hängt mit der Flexibilität und dem Zusatznutzen der Systeme zusammen. Überdies greifen rund 20 Prozent mehr Leute auf die Systeme zu, weshalb wir mehr Lizenzen zur Verfügung stellen – die RONDO Burgdorf AG verfügt über 26 CAD-Lizenzen und 80 Windchill-Lizenzen. Auf diese Weise wird der Prozess viel durchgängiger.

Welche weiteren IT-Vorhaben sind in Planung?

Unser übergeordnetes, die ganze IT-Strategie betreffendes Projekt «RODIN» mit den drei Rückgratsystemen steht über allem. Mit allen befinden wir uns in der Umsetzungsphase. Das Datenmanagement bauen wir auf Sharepoint auf und legen alle Dokumente zentral in der Cloud ab. Zudem entwickeln wir weitere IT-Vorhaben im Bereich der Klassifikation und Integration der Elektrokomponenten und in der Anbindung unserer Fertigungsmaschinen, um die Fertigung direkt ab den 3D-Daten auszubauen. Ferner planen wir im Bereich der Übersetzungen und Betriebsanleitung die Einführung eines CMS-Systems, damit wir unsere Textbausteine im Marketing, Verkauf und in der technischen Dokumentation auch zentral verwalten können.

«Durch neue Produkte wie ‹Windchill› oder ‹PTC Creo Parametric› sind wir in der Lage, bei Neuentwicklungen voll auf den digitalen Zug aufzusteigen.»
Marc Besson, CTO/Leiter Entwicklung Mechanik/Mechatronik RONDO Burgdorf AG

An welchem Punkt steht Ihr Unternehmen bezüglich der digitalen Transformation?

Wir sind auf einem guten Weg. Wir verkaufen zwar immer noch erfolgreich Produkte, die nur auf 2D-Zeichnungen – gar auf Papier – vorhanden sind. Diese und ein grosses Produkteportfolio stehen nicht digital zur Verfügung und wir können sie nur als PDF archivieren. Durch neue Produkte wie «Windchill» oder «PTC Creo Parametric» sind wir in der Lage, bei Neuentwicklungen voll auf den digitalen Zug aufzusteigen: Vom 3D-Modell inklusive Elektrokomponenten bis zu den Steuerungsdaten und zur eBOM-mBOM Transformation zwischen Engineering-Stücklisten und Fertigungsstücklisten wird alles transparent. Überdies existiert mit der Schnittstelle ins SAP kein Unterbruch: vom Konfigurator im Angebot über den Fertigungsauftrag bis zum digitalen Zwilling als 3D-Modell für den Kunden. Unser Ziel ist es, von der ersten Idee und dem Angebot bis zur Auslieferung und dem Kundenservice alles digital auf einer Schiene zu haben.

Welche technologischen Trends wie Internet of Things, Data Analytics, Deep Learning, Big Data können für Sie wichtig werden?

Die Wichtigkeit dieser Trends versuchen wir durch verschiedene Use Cases herauszufinden. Bei grossen Themen wie Internet of Things sind wir bereits am Umsetzen von Projekten, zum Beispiel können unsere Kunden – Industriebäckereien und kleine Backstuben – auf viele Maschinendaten zugreifen. Ferner bieten wir Assistenzsysteme für Maschinen an, die den Bäcker oder den Bediener – unterstützt durch künstliche Intelligenz – leiten. Des Weiteren arbeiten wir mit verschiedenen Hochschulen zusammen und waren an Messen präsent, an denen wir Maschinen im digitalen Umfeld «augmented» darstellten. Wir kreierten auch ein Spiel mit einer virtuellen Teig-Ausrollmaschine. Die zentralen Fragen zu den technologischen Trends sind für uns: Wo entsteht für unsere Kunden ein Mehrwert? Wo sind sie bereit, etwas zu bezahlen? Bei unseren Kunden werden diese Fragen wohl anders beantwortet.

Rondo Gebaude

Die GIA Informatik AG arbeitet in Italien mit einem Partner zusammen, der bei der RONDO-Tochterfirma in Schio/Italien die Hauptverantwortung für die PDM/PLM-Migration hat.

Welches ist Ihr Lieblings-IT-Produkt?

Ich finde die Indoor-Fahrrad-App «Zwift» fantastisch. Sie ist prädestiniert für alle Radfreaks und funktioniert über Internet und die Hardware: Mein Velotrainer ist über eine Bluetooth-Verbindung mit der App verbunden. So fahre ich regelmässig Trainings und Radrennen virtuell und messe mich mit anderen Fahrern aus der ganzen Welt. «Zwift» schafft es, einen Kundennutzen zu generieren, sodass ich sogar bereit bin, monatlich einen Beitrag zu bezahlen. Für mich ist dies die perfekte Kombination zwischen der digitalen und der realen Welt und gerade im Winter eine hervorragende Ergänzung zum Training draussen.

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