Er hat 30 Jahre GIA Informatik erlebt – vom Anfang bis zur Gegenwart

Roland Steinmann, das – salopp gesagt – Mädchen für alles des IT-Unternehmens. Im Jubiläumsinterview schaut er mit viel Verve auf Vergangenes zurück und blinzelt in die Zukunft.

Herr Steinmann, war die Zeit damals genauso spannend wie für uns, wenn wir Ihnen zuhören?

Tatsächlich war es eine Pionierzeit. Als gelernter Maschinenzeichner und Maschinenmechaniker wechselte ich in den 1970er-Jahren nach Zofingen zu Müller Martini, die damals Grapha Maschinenfabrik hiess. Ich verspürte grossen Stolz, bei diesem Unternehmen zu arbeiten, da es einen hervorragenden Ruf genoss – vergleichbar mit der BBC, der heutigen ABB. Ende der Dekade gehörte ich zur Serviceabteilung und wurde als Monteur oft von Maulburg (D) aus eingesetzt. Ich flog viel zu Kunden – in der einen Hand den Werkzeugkoffer, in der anderen den Kleiderkoffer und dazu das Flugbillett –, um Druckmaschinen zu installieren und Anpassungen vorzunehmen. Nach sechs intensiven Jahren wurde mir dieses Nomadenleben zu viel.

Das heisst, Sie sind seit über 40 Jahren im Konzern tätig. Wie kamen Sie zur Informatik?

Dank einer Begegnung, die mein Leben komplett auf den Kopf stellte. Ich war sportbegeistert und spielte mit dem FC Reiden sogar in der 1. Liga. Zudem nahm ich an Firmenfussball-Matches teil. Wir waren eine gute Mannschaft und gewannen den Zofinger Firmenfussball-Freundschaftscup sieben bis acht Mal. Unser Trainer war Paul Stehrenberger, ehemaliger Nationalliga-A-Spieler und Leiter Informatik bei Müller Martini. Er fragte mich nach einem Spiel, ob ich zu ihm in die Informatik wechseln wolle – diese Kostenstelle war im Umbruch und zügelte 1987 innerhalb von Zofingen in ein anderes Gebäude. Ich wagte den Schritt weg vom Service und stieg als Operator im Rechencenter ein. Dort absolvierte ich eine Ausbildung und lernte auf Basis der Programmiersprache Cobol zu programmieren. Paul Stehrenberger blieb während meiner gesamten Berufslaufbahn mein Mentor, und es entwickelte sich eine wunderbare, bis heute andauernde Freundschaft zwischen uns.

Portraet Roland Steinmann

Roland Steinmann, Mitarbeitender der ersten Stunde bei der GIA Informatik AG.

Sind Sie ein Gründungsmitglied von GIA Informatik?

Ja, indirekt. Ich war Mitarbeiter, als aus der Kostenstelle Informatik des Müller-Martini-Konzerns die GIA Informatik AG in Oftringen – mit Geschäftsführer Paul Stehrenberger – gegründet wurde. Aus dieser Anfangszeit sind heute noch vier bis fünf weitere langjährige Mitarbeitende im Unternehmen aktiv. Unsere Arbeit bestand darin, das Softwareprodukt PSA – Planung, Steuerung, Abrechnung – zu entwickeln und bei den Firmen von Müller Martini an den Standorten Felben, Hasle, Stans, Zofingen und Maulburg zu implementieren. Ein neues Produkt sollte das bisherige ersetzen, doch irgendwann ging uns dafür das Geld aus. Paul Stehrenberger agierte blitzschnell und machte aus GIA Informatik in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ein SAP-Systemhaus. Wir führten in der Folge in Hasle SAP ein – als erste Firma im Konzern – und bildeten die Prozesse ab. Die Entwicklung war derart erfreulich, dass anschliessend sämtliche Konzernfirmen die Umstellung auf dieses ERP-System vornahmen. In der Zwischenzeit etablierte sich GIA Informatik am Markt, weshalb wir bis heute etliche Unternehmen bei der Einführung von SAP unterstützen.

Hand aufs Herz: Können Sie uns besondere Anekdoten aus Ihrem Fundus erzählen?

Eine Episode fand im Rechencenter in Zofingen statt. Ich stand in den Startlöchern als Operator und hatte frisch angefangen. Zusammen mit Brasilianern und Indern waren wir am Programmieren, als plötzlich der Alarm losging, die Polizei und Sicherheitsbeamte aufkreuzten und uns befahlen, die Arme hochzunehmen. Wir wurden beinahe verhaftet! Rechtzeitig sagte dann ein Vorgesetzter, dass wir Angestellte seien, und die Polizei liess uns weiterarbeiten.

2003 arbeitete ich drei Viertel des Jahres bei der Netstal-Maschinen AG in Näfels im Kanton Glarus. Wohnhaft war ich jedoch weiterhin in Reiden. Das bedeutete: Am Montagmorgen raus, abends wieder heim und immer über den Hirzel fahren. Wie aufregend, aber gleichzeitig recht ermüdend. Netstal hatte mit PSA, das unter Unisys lief, den Jahrtausendwechsel programmiert. Ich arbeitete vor Ort, da ich der Einzige war, der dieses alte Softwarepaket kannte, und führte das Nachfolgeprodukt SAP ein. Bei dessen Datenübernahme war ich – gemeinsam mit zehn Indern – an vorderster Front dabei. Dieses Projekt brachte mich als Mitarbeiter und Mensch entscheidend weiter.

Warum blieben Sie 30 Jahre bei GIA Informatik?

Ich wohne nur gerade fünf Minuten vom Arbeitsort entfernt. Reiden – Oftringen ist eine kurze Strecke. Mir bedeutet es viel, dass ich zur Haustür raus kann – und wenig später zur Bürotür wieder rein. Auch wird der Teamgeist gross geschrieben bei GIA Informatik, dies behagt mir sehr. Ferner war es möglich, dass ich während 16 Jahren, von 1999 bis 2015, nebenberuflich Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Unteres Wiggertal war. Ich absolvierte bankinterne Ausbildungen in Führung, Finanzen und strategischem Management. Die Übernahme solcher Ämter wurde von GIA Informatik wohlweislich nicht gefördert, aber auch nicht in Frage gestellt.

Welche Aufgaben erfüllen Sie heute?

Zusammen mit einer Arbeitskollegin stelle ich für den Konzern und weitere Kunden seit 2012 Berechtigungen aus und verwalte die Accounts und Passwörter. Diese Aufgabe werde ich bis zur Pensionierung erfüllen. Zudem bin ich sowas wie das Mädchen für alles: Wenn der Service Manager abwesend ist, erledige ich auch einen Teil seiner administrativen Aufgaben.

Wenn Sie Ihren Arbeitgeber früher und heute vergleichen: Wie fällt Ihr Fazit aus?

GIA Informatik war vor 30 Jahren ein guter Arbeitgeber – und ist es heute noch. Geschäftsführer Paul Stehrenberger wollte immer am Puls der Zeit sein und die modernsten Technologien erkunden. Zum Beispiel CAD, CAM und NC-Programme für die Bohr- und Fräsabteilung. Aufgrund des Mutterkonzerns Müller Martini war es im Gegensatz zu anderen Firmen möglich, sich technisch etwas zu leisten. Diese Entwicklung ist augenfällig. Früher mussten wir für verschiedene Arbeitsgänge Lochkarten einlesen, und ein Terminal kostete zirka 15 000 Franken. Heute ist der Preis auf rund 1000 Franken gesunken, und alles wird online verbucht. Mit SAP S/4HANA ist der nächste grosse Technologieschritt in der Gegenwart angekommen. Auch ist GIA Informatik in jüngster Zeit markant gewachsen – von anfänglich 15 bis 30 Angestellten bis aktuell zirka 150 Mitarbeitenden. Waren früher Praktiker mit einer Ausbildung in der Produktion gesucht, die Ahnung von Gussteilen, Produktionsplänen, Stücklisten und Vorrichtungen hatten, sind heute eher studierte Spezialisten mit einer analytischen Basis gefragt.

Wie erleben Sie die Unternehmenskultur?

Sowohl früher als auch heute ist sie intakt. Wir unternehmen oft etwas gemeinsam. In den Anfangszeiten organisierte das Unternehmen für alle Angestellten Skiweekends auf dem Stoos oder der Ybergeregg. Auch heute gehen Mitarbeitende zusammen Ski fahren. Im Sommer finden Grillfeste statt. Das ist eine gute, alte Tradition. Und es existiert eine firmeninterne Motorradgruppe, bei der sogar CEO Peter Merz aktiv ist. Diese führt einmal pro Jahr eine Ausfahrt durch.

«Ins Zentrum meiner Arbeit stellte ich in all den Jahren die Kunden.»
Roland Steinmann, Mitarbeiter GIA Informatik AG

Welches waren Ihre Ziele zu Beginn, und welche Ziele verfolgen Sie heute?

Ich wollte immer Neues dazulernen, zum Beispiel neue Technologien oder Programmiersprachen. Dies alles machte GIA Informatik möglich, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Heute sage ich meinem Vorgesetzten, er solle das Weiterbildungsgeld lieber in junge Mitarbeitende investieren. Ins Zentrum meiner Arbeit stellte ich in all den Jahren die Kunden. Indem sie uns Aufträge erteilen, sind sie es, die uns den Lohn bezahlen. Sie verdienen unsere volle Achtung und Wertschätzung. Ich habe keine Bedenken, dass GIA Informatik auch in Zukunft erfolgreich für sie arbeitet und deshalb bei Kundenzufriedenheitsumfragen weiterhin gut abschneidet. Wir haben die Chance dazu und müssen sie nützen – wie früher im Firmenfussball. Ich werde weiterhin einen guten Job machen und dann 2020 bei möglichst guter Gesundheit in Pension gehen. Ich freue mich, bald wieder hochalpine Touren zu absolvieren oder ein paar Tage in meinem Wohnwagen zu verbringen.

Apropos junge Mitarbeitende: Welche Tipps geben Sie einem Neuen wie Philip Dössegger mit?

Ich bin überzeugt, dass er sich durchsetzen kann. Gerade auf seiner Position als Account Manager ist es wichtig, dass er sich täglich Akzeptanz erarbeitet und einen grossen Einsatz an den Tag legt. Als essenziell erachte ich, dass er seine Arbeit stets innerhalb eines Teams erledigt. Denn alleine hat keiner eine Chance.

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