Industry of Things

Das Internet der Dinge krempelt gerade alles um. Vor allem Industrieunternehmen können davon profitieren.

Ohne das Internet der Dinge (IoT) – bzw. im Business-Umfeld das «Industrial Internet of Things (IIoT)» – wird bald gar nichts mehr laufen. Laut einer aktuellen Studie von MSM Research nennt die Hälfte aller befragten Schweizer Firmen IoT als Grundvoraussetzung für schnelle Innovation. Millionen von Maschinen, Geräten, Sensoren und Menschen sind schon heute über das Internet miteinander vernetzt. Als Folge davon entsteht eine Fülle von Daten, die in riesigen Datenspeichern – oft in einer öffentlichen oder privaten Cloud – gesammelt werden. Unternehmen, die daraus neue Erkenntnisse gewinnen wollen, müssen neue Wege in deren Verarbeitung und Auswertung beschreiten. Denn um daraus Resultate für die Entwicklung neuer, digitaler Service- und Geschäftsmodelle ziehen zu können, braucht es Daten, die eine längere Zeitspanne abdecken.

Wo steckt der Mehrwert?

In Zukunft kommt dabei der Abwicklung von IoT- und IIoT-Projekten eine wesentliche Bedeutung zu, und zwar in allen Branchen und Bereichen. Gemeinden könnten damit zum Beispiel die Streusalzverfügbarkeit unter Berücksichtigung von Wetter- und Verkehrsdaten effizienter regeln – ohne grosse Vorratshaltung, ohne Staus vor den Silos und mit einer besseren Planbarkeit für den Lieferanten. Oder, um ein noch einprägsameres Beispiel zu nennen: Ihr Lieblingsrestaurant lässt seine sensorüberwachten Bierfässer vom Lieferanten selbstständig und rechtzeitig nachfüllen. Der Wirt spart sich damit viel Arbeit mit der Transport- und Lagerlogistik und Sie als Kunde können stets frisches Bier geniessen.

Erfolgsfaktoren von IIoT-Projekten

Kundenbedürfnisse heute und morgen gut verstehen

Eine starke Vision entwickeln

Agilität und permanentes Lernen fördern

Innovative Ideen angehen und neue Wege beschreiten

Strategische Partnerschaften etablieren

Erste schnelle Erfolge realisieren und kommunizieren

Auch Schweizer Unternehmen nutzen das Internet der Dinge bereits, zum Beispiel die Unternehmensgruppe Müller Martini, ein Maschinenhersteller in der Druckweiterverarbeitung. Dort hat man die vorhandenen Sensoren der Schneidemaschinen, die bei Kunden im Einsatz stehen, mit dem Internet verbunden. Ziel ist es, Erkenntnisse und Anwendungsfälle zu finden, die für Verbesserungen und zur vorbeugenden Wartung verwendet werden können. Defekte, Verschleiss und Toleranzabweichungen lassen sich so vorzeitig entdecken und Stillstandzeiten sowie Ausschuss reduzieren. Diese höhere Zuverlässigkeit könnte dann zu neuen Vertragsmodellen mit den Kunden führen. Vorstellbar ist etwa das Mieten – anstatt der Kauf – mit definierten Service-Level-Agreements. Ein solches Modell praktiziert etwa die Kaeser Kompressoren AG mit Sitz in Regensdorf: Statt Kompressoren bietet sie ihren Kunden die Verfügbarkeit von Druckluft vor Ort als Serviceleistung an. Der Kunde zahlt nur, was er verbraucht. Die Infrastruktur und deren Wartung sind im Mietmodell inklusive.

Die Endkunden können sich so direkt auf ihr eigentliches Kerngeschäft fokussieren. Beispielsweise kümmert  sich eine Druckerei nicht mehr um die Beschaffung, den Unterhalt und die Entsorgung ihres Maschinenparks, sondern bezieht das Drucken, Schneiden und Binden direkt als Vorortleistung vom Maschinenhersteller. Durch den permanenten Rückfluss der Daten und die Big-Data-Analyse kann dieser wiederum seine Maschinen und damit die angebotene, im Vorfeld mit den Endkunden definierte Leistung permanent verbessern.

Martin Ryser vor dem Whiteboard

«Die Umsetzungsgeschwindigkeit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, denn gute Ideen lassen sich auch schnell kopieren», so Martin Ryser, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Business Solutions der GIA Informatik AG.

Schrittweise umsetzen

Bei der digitalen Transformation von Geschäfts- und Fertigungsprozessen mit IoT, IIoT und Big Data ist ein schrittweises, iteratives Vorgehen wichtig, um schnellstmöglich Resultate zu erzielen. Dabei gilt es zu beachten, dass das Ziel für ein digitales Geschäftsmodell stets vom Nutzen für den Kunden abgeleitet wird. Anschliessend müssen die im Unternehmen bereits existierenden Plattformen wie ERP, CMS, MES, PIM, CRM und weitere Backend-Systeme mit ins Konzept einbezogen werden, um alle Informationen für neues Wissen bereitzustellen. Hierfür ist es hilfreich, wenn der gewählte IT-Anbieter bereits Kenntnisse und Zugang zu diesen Systemen hat. Insbesondere sind folgende Schritte wichtig:

  • Identifizieren der richtigen Datenquellen (Sensoren, Wetterdaten, Geodaten etc.)
  • Sammeln, Strukturieren und Speichern der Daten
  • Daten in Informationen umwandeln und darstellen
  • Informationen in Wissen und Erkenntnisse verwandeln
  • Erkenntnisse in Nutzen und Geld umwandeln
  • Nutzen und Wert für die Kunden generieren
Knackpunkt Sicherheit

Allerdings entstehen durch das Internet der Dinge auch neue Gefahren für Maschinen und Anlagen, da die bisher weitgehend getrennten IT-Systeme aus den Bereichen Industrie und Verwaltung durch IIoT näher zusammenrücken. Die Unternehmen wissen das auch: Zwei Drittel der von MSM befragten Schweizer Firmen sehen eine grosse Gefahr bei der Datensicherheit. Um diesem Risiko entgegenzuwirken, gelten im Grunde die gleichen Kriterien wie beim Schutz von Datacentern vor Cyberangriffen und Schadprogrammen:

  • Umfassendes Identity- & Access-Management: basierend auf sicheren Identitäten mit starker Mehrfaktorauthentifizierung
  • Abgesicherte Netzwerke: geschützt durch aktuelle Sicherheitsstandards und geregelten Zugang zu den Informationen
  • Starke End-zu-End-Verschlüsselung: zum Schutz vor unerwünschten Zugriffen

Neben der konstanten Überwachung muss auch ein geeignetes Risikomanagement aufgezogen werden, um systematisch neue Bedrohungen zu erkennen und Gegenmassnahmen zu ergreifen. Auch die rechtlichen Aspekte zur Verwendung der IIoT-Daten gilt es zu beachten: Bei der Auslagerung der Informationen in eine externe Cloud wird dies in der Regel in entsprechenden Verträgen festgehalten. Ganz ohne Vertrauen in die Cloud-Anbieter lassen sich schnelle und kostengünstige Innovationen jedoch kaum umsetzen. Oft ist dabei die Umsetzungsgeschwindigkeit der entscheidende Erfolgsfaktor, denn gute Ideen lassen sich auch schnell kopieren.

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